Bericht vom Renntag in Berlin -Mariendorf: Der schwarze Falke kreist einsam durch die Lüfte

Arnold Mollema mit Blackhawk (Foto: Marius Schwarz)

Blackhawk steht mit Arnold Mollema im Adbell-Trial turmhoch über der Konkurrenz. Der Stutenlauf geht an Laurea LB und ihren Trainer Maik Esper.   

Berlin, 17. April 2016.

„Wir sind für die kommenden Aufgaben gut gerüstet“, lautete Arnold Mollemas kurzes und prägnantes Fazit nach dem ersten Schlagabtausch des Derby-Jahrgangs in der Bundeshauptstadt. In Mariendorf standen die nach Geschlechtern getrennten und mit jeweils 8.000 Euro Preisgeld dotierten Adbell-Trials auf dem Programm und an der Dominanz seines 13:10-Topfavoriten Blackhawk im Lauf der Hengste und Wallache gab es zu keinem Zeitpunkt etwas zu rütteln. Der niederländische Toptrainer führte seinen Schützling umgehend an die Spitze und der „schwarze Falke“ kreiste – sinnbildlich ausgedrückt – im Anschluss einsam durch die Lüfte, denn keiner seiner Konkurrenten konnte dem in 15,8/1.900m auftrumpfenden Traber auch nur annähernd das Wasser reichen. Der vom in der dänischen Gemeinde Herfølge lebenden Ehepaar Bo und Katarina Jondahl gezüchtete und in den Farben der Granton Stables laufende Blackhawk gestaltete sein Saisondebüt zu einer One-Horse-Show und siegte mit fünf Längen Vorsprung völlig unangefasst.

Georgies Matador (Jochen Holzschuh) war der einzige Gegner, der den großen Favoriten zumindest in der Startphase kurz antesten konnte. Im Anschluss blieb ihm allerdings nichts anderes übrig, als Blackhawk an der Innenkante zu folgen – den Spieß konnte er zu keinem Zeitpunkt umbiegen. Das dritte Geld ging an Miles United (Thomas Panschow), der sich gegenüber in die Außenspur gewagt hatte, bei seinem Vorstoß aber nicht entscheidend durchdrang und letztendlich klein beigeben musste. Deutlich vor ihm wäre Geronimo T (Hans Joachim Tipke) gewesen, der vom Laufvermögen her durchaus zu gefallen wusste, bei seinem finalen Angriff auf der Zielgeraden aber vor den Beinen geriet und disqualifiziert wurde. Schon weit zurück folgte Agostino (Reinier Feelders), der das Rennen nur sehr unwillig aufgenommen hatte und dadurch sofort chancenlos war. Für Mr Shorty (Jos Verbeeck) kam Mitte der Gegenseite nach einer Galoppade das Aus und Jorma Bo (Heinz Wewering) erhielt bereits kurz nach dem Start die Rote Karte.             

Nahezu ähnlich dominant – nämlich mit vier Längen Vorsprung in der Kilometerzeit von 16,7/1.900m – beherrschte Laurea LB mit Maik Esper den Stutenlauf des Adbell-Trials. Die von Leo Beckmann gezüchtete Dreijährige wurde von ihrem Trainer, der auf den ersten Metern bewusst kein Risiko eingehen wollte, vorsichtig in die Partie geführt und übernahm erst eine Runde vor dem Ziel das Kommando. Im Anschluss spielte die Vierbeiner-Lady der beiden Reinickendorfer Besitzer Dirk Schüller und Sven Block mit ihren Gegnern. Eine gute Note verdiente sich auch die zweitplatzierte Here she goes (Kornelius Kluth), die sich im ersten Bogen einen kapitalen Fehler geleistet hatte und trotzdem bravourös abschnitt. Jane Bo (Heinz Wewering) wurden nach anfänglicher Führung die Beine müde. Ciara LB (Reinier Feelders) und Opportunity (Andrea Lombardo) hatten Mühe, überhaupt den Anschluss zu halten. O Mia Bella (Michael Hönemann) war gar nicht erst zum Traben zu bewegen. Für Maik Esper war dies nicht der einzige Treffer: Er punktete im Rahmenprogramm außerdem mit der 274:10-Außenseiterin Tiraldina, die auf der Meilenstrecke in 1:14,8 min. an allen vorbeisprintete. 

Sein Stallteam mied zwar den Adbell-Trial und suchte sich lieber eines der anderen Rennen an diesem Nachmittag aus – doch das Gestüt Neritz scheint ebenfalls einen hochinteressanten Dreijährigen zu besitzen. Nämlich Gentle Yankee, der bei seinem offensiv herausgefahrenen Sieg mit Michael Schmidt in eindrucksvoller Weise die Visitenkarte abgab und aktuell nach zwei Starts noch ungeschlagen ist. Die Tagesbestzeit von 13,5/1.900m blieb aber dem von Jochen Holzschuh präsentierten Amiral de Retz vorbehalten. Der sechsjährige Hengst setzte sich in der internationalen Klasse gegen eine qualitativ enorm starke Gegnerschaft durch. Amiral de Retz fand unterwegs zwar in die Idealposition an vierter Stelle außen, hatte in den Bögen aber Schwierigkeiten und wirkte fast chancenlos, als es auf die Zielgerade ging. Aus dem Pulk heraus wuchsen ihm dann aber Flügel. Der Hengst stieß in der Bahnmitte durch und verabschiedete sich mit zwei Längen Vorsprung.

Kaum schlechter war die Klasse besetzt, in der Successful und Josef Franzl antreten mussten – beide lösten die Aufgabe zur überaus lukrativen Quote von 51:10 dennoch absolut souverän. Im Einlauf kam Successful nach einem Rennen an der Innenkante rechtzeitig frei und zog locker an dem nach seiner Winterpause ebenso überzeugenden Derby-Aspiranten Dreambreaker (Arnold Mollema) vorbei. Mindestens ebenso imposant war der Erfolg von Fittipaldi, der seinem Namen in der Hand seines Trainers Andreas Gläser einmal mehr alle Ehre machte und wie eine Formel-1-Rennmaschine um die Kurven raste. Der Hengst war sofort an die Spitze gestürmt und ließ den Gegnern auf der 2.500-Meter-Strecke nicht den Hauch einer Chance. Panasonic Diamant scheint sich für diese Saison ebenfalls einiges vorgenommen zu haben, denn Kay Werner stellte den Fünfjährigen nach dreimonatiger Ruhepause auf Anhieb siegfertig vor. Der Wallach lag unterwegs an vierter Position und streckte nach einem langgezogenen Schlussspurt kurz vor dem Pfosten die Nüstern in Front.

Flash di Quattro (Thorsten Tietz) eifert immer mehr seiner großen Schwester Emma di Quattro nach. Der Hengst zog auf der Tribünengeraden nach vorne und fertigte seine gewiss nicht schlechten Kontrahenten beim dritten Sieg en suite in bärenstarken 14,6/1.900m mit fünf Längen Vorsprung ab. Die beiden Amateurfahren der Veranstaltung gingen an André Pögel. Mit Bernhard Schuchs Ronas Liguori übernahm Pögel vor den Tribünen die Spitze, ließ dann die drückende Robinia Diamant (Andreas Schwarz) vorbei und drehte im Einlauf den Spieß gegen die Konkurrentin wieder um. Mit der 14:10-Topfavoritin One and Only gab der Mann im blauweißen Dress vom Fleck weg Gas. Die Stute war Start bis Ziel nicht zu packen. Eine weitere Vierbeiner-Lady wurde besonders geehrt: Karisma Diamant beendete das letzte Rennen ihrer 103 Starts umfassenden Laufbahn mit Klaus Daust im Sulky zwar nicht mit einem Sieg, wurde aber mit einem großen, von der BTV-Mitarbeiterin Simone Gehrke liebevoll zubereiteten Präsentkorb voller Äpfel und Möhren in ihre nun beginnende zweite Karriere als Zuchtstute verabschiedet. 

Gesamtumsatz: 124.999,35 Euro – Bahnumsatz: 46.167,00 Euro - Außenumsatz: 78.832,35 Euro.

Unser Terminhinweis: Der nächste Mariendorfer Renntag findet am Mittwoch, dem 27. April statt. Beginn ist um 11 Uhr. Es handelt sich dabei um eine Matinée-Veranstaltung mit vier PMU-Prüfungen. Das Champions Teehaus, die Traber-Pause und das Stall-Casino sind für Sie geöffnet!