Bärenstarke Russen und ein Siegschocker

 


Bärenstarke Russen und ein Siegschocker

 

Die Moskauer Hengste Ens Caviar’s Sun und Sven dominieren das Geschehen – Seth Ronland und Zovilja überraschen für Toto 847:10 – Parisienne Blue und Hannu Voutilainen sind einsam voraus

Imposante Siege, packende Finishkämpfe, blitzschnelle Zeiten und ein 847:10-Totoschock: Die Mariendorfer Rennveranstaltung am Montagabend hatte wirklich alles zu bieten, was die Faszination des Sulkysports ausmacht.

Das besondere Augenmerk gehörte natürlich zwei aus Russland angereisten vierbeinigen Gästen: den in den USA geborenen und in Moskau trainierten Hengsten  Ens Caviar’s Sun und Sven. Der Erstgenannte war bei seinem Mariendorfer Debüt im Vorjahr nur höchst unglücklich gescheitert, als er mit dem klaren Sieg vor Augen unmittelbar vor der Ziellinie aus dem Takt geraten war. Ens Caviar’s Sun und sein 65-jähriger Trainer und Fahrer Yuri Repin hatten in Berlin also noch eine Rechnung offen und demonstrierten gegen wirklich gute Konkurrenten prompt ihren Siegeswillen. Denn die 14:10-Favoriten scheuten unterwegs selbst die dritte Spur nicht. Trotz des aufwändigen Verlaufs strotzte Ens Caviar’s Sun im Einlauf nur so vor Kraft und bezwang den spurtschnellen Rajtantajtan Whiz (Daniel Wagner) völlig überlegen mit zwei Längen Vorsprung. Bombastisch ebenso die Siegzeit: Der Hengst, der für nur 5.000 Dollar in den Besitz des Moskauers Victor Averin und seines Partners Khaidar Yusipov gewechselt war, trabte auf der Meilendistanz die Tagesbestzeit von 1:14,2 min. und war mit diesem Kilometerschnitt längst nicht erfasst.

Mit dieser exzellenten Leistung gab Ens Caviar’s Sun zugleich eine Steilvorlage auf seinen Stallgefährten Sven, der runde zwei Stunden später mit Alexandr Nesyaev im Sulky antrat. Und es gab etliche Parallelen zwischen beiden Boxennachbarn: Gleicher Besitzer, gleicher Trainer und exakt das gleiche Qualitätsformat. Vom Können her scheinen sich die beiden Laufwunder nichts zu geben, denn auch Sven (18:10) trabte mit 14,8/1.900m eine wirklich exquisite Zeit. Nur der Rennverlauf war für den Hengst weit weniger spektakulär als der aufwändige Vortrag des Trainingsgefährten. Alexandr Nesyaev hatte seinen Schützling nämlich geschickt an vierter Stelle außen eingeparkt. Hundertfünfzig Meter vor dem Ziel ging Sven grußlos an der führendenden Whos smiling now (Thorsten Tietz) vorbei.

Verglichen mit den beiden Moskauer Hengsten trabte die mit ihrem Trainer Hannu Voutilainen als Tipp des Tages zum Kurs von 12:10 angetretene Parisienne Blue fast ein Schlafwagen-Tempo. Denn der Ausnahme-Stute reichten 16,4/1.900m, um ihre sieben Konkurrenten zu Statisten zu degradieren. Der Respekt vor dem Stallcrack des bayrischen Besitzers Johann Holzapfel war einfach zu groß, als dass sich ein packender Rennverlauf entwickeln konnte. Voutilainen drosselte mit der Fünfjährigen, die eingangs des ersten Bogens in Front gestoßen war, die Pace vor den Tribünen auf eine Durchgangszeit von 22,5.  Und als die am Ende zweit- und drittplatzierten Springfield (Daniel Wagner) und Kidyposte (Dirk Grusdas) ausgangs der letzten Kurve mächtig auf Touren kamen, brauchte Parisienne Blue ihr vorzügliches Können noch nicht einmal ansatzweise auszureizen, so deutlich beherrschte die bildhübsche Stute die Szenerie.

Den Toto-Schock des Abends lieferte die 847:10-Außenseiterin Zovilja ab, die vor Lauffreudigkeit regelrecht explodierte und selbst bei der Siegerehrung von ihrem Trainer und Fahrer Seth Ronland kaum zu bändigen war. Der Schwede gab seinem vierbeinigen Pulverfass, das zuvor elf Siege bei 97 Starts erzielt hatte, auf der Gegenseite den Kopf frei. Aus der sechsten Position heraus stürmte Zovilja an den führenden Belgino (Heiner Christiansen) heran und hatte den Widerstand des Piloten Mitte des Einlaufs endgültig gebrochen. Zovilja triumphierte in starken 15,6/1.900m sicher mit einer Länge Vorsprung. Der Lokalmatador Meringo Star (Daniel Goehrke / 36:10) verkaufte sich dagegen als Fünfter völlig unter Wert und fand viel zu spät auf freie Bahn.

Turbulente erste tausend Meter ergaben sich in der Gewinnsummenklasse bis 20.000 Euro, denn Ölltorps Indian (Dominik Holtermann), Lucky Moor (Michael Nimczyk) und King of Swing (Thomas Heinzig / 56:10) übernahmen nacheinander die Spitze. Der Letztgenannte hielt dann aber auch auf dem Schlusskilometer das Zepter fest in der Hand. Eddy Titan (Heinz Wewering) startete aus dem Schlussbogen heraus zwar einen sehenswerten Angriff auf den Piloten, biss mit seinen Bemühungen aber gründlich auf Granit und endete hinter dem 15,7/1.900m trabenden King of Swing, Ölltorps Indian und dem erst spät eingesetzten Elton (Benjamin Hagen) nur auf Rang vier.

Der Stute Romantika (21:10) gelang mit einem Rennkrimi, der alle Zuschauer regelrecht von den Sitzen riss, bereits der vierte Sieg en suite. Mit ihrer Fahrerin Stephanie Kolenda lieferte die stets in zweiter Spur liegende Angreiferin dem führenden Hamilton Sebarg ein 1.900 Meter währendes Gefecht, in das sich auf der Zielgeraden auch noch der Herbst-Pokal-Triumphator General Eck (Josephine Schiller) vehement einschaltete. Kopf an Kopf stürmten diese drei Pferde dem Pfosten entgegen und wieder einmal hatte Romantika mit ihrem Kämpferherz in beeindruckenden 1:15,0 min. die Nüstern vorne. General Eck schnappte sich eine Halslänge zurück das zweite Geld.

Ähnlich packend ging es im Finish zwischen der 171:10-Außenseiterin Galante und dem 30:10-Favoriten Admiral Alcock Mo (Heinz Wewering) zu. Heiner Christiansen hatte mit der am Toto krass unterschätzten Dreijährigen sofort das Kommando an sich gerissen. Im weiteren Verlauf kam der Stute natürlich die Tatsache entgegen, dass nicht weniger als fünf ihrer Konkurrenten disqualifiziert wurden. Zugleich war damit aber auch für Admiral Alcock Mo der Weg zum Angriff frei, gegen die sich die 19,0/1.900m trabende Galante gerade noch so wehren konnte.

Für Heiner Christiansen sprang zudem ein zweiter Trainerpunkt durch den von Wladimir Gening gesteuerten La Rambla (52:10) heraus. Der vierjährige Wallach agiert schon seit Wochen in starker Verfassung und erhärtete seine tolle Form nun mit einem feinen Kampferfolg über Minou Columbus (Michael Nimczyk), die er mit dem allerletzten Schritt in 16,7/1.900m niederrang. Wladimir Gening brachte den Braunen eine halbe Runde vor dem Ziel aus der fünften Position heraus auf Touren. Auch die drittplatzierte Camira LO war in dem auf den letzten dreihundert Metern noch einmal eng zusammenrückten Feld nicht weit geschlagen.

Natürlich waren auch die Amateure in Mariendorf am Start: Christoph Pellander gelang sein erster Saisonsieg mit der in den Farben seines Vaters laufenden You’re the Queen (41:10). Die nicht einfach zu steuernde Stute, die selbst in Profihand immer wieder zu Galoppaden neigt, verkniff sich diesmal alle Eskapaden. Nach einem Rennen an sechster Stelle außen wurde You’re the Queen im Einlauf eminent schnell und zwang den Piloten Pedro MH in 18,9/2.500m mit einer halben Länge Vorsprung in die Knie, ohne dass Pellander ein volles Risiko eingehen musste. Beim zweiten Amateurfahren des Abends drehte der hier unterlegene Werner Schnieder dann den Spieß zu seinen Gunsten um. Mit Yoran Frisia (83:10) hielt sich der Routinier unterwegs im Mittelfeld versteckt. Schnieder machte den niederländischen Wallach erst im Einlauf flott und Yoran Frisia ging in 18,7/2.500m sicher an Varus (André Pögel) vorbei.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

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Gesamtumsatz: 95.246,80 Euro – Bahnumsatz: 22.991,50 Euro – Außenumsatz: 72.255,30 Euro

Die nächste Mariendorfer Rennveranstaltung findet am Sonntag, dem 2. Oktober ab 13.30 Uhr statt. Am „Renntag der Currywurst“ steht der mit 10.000 Euro dotierte Trial II des Stuten-Grand Prix und der mit 7.000 Euro dotierte Trial II des Preises des Winterfavoriten auf dem Programm.