Ausbildung von Wanderreitführern

Der Pferdesport Verband Hannover (PSVHAN) hat jetzt die erste anerkannte Ausbildungsstätte für Wanderreiter und steht damit auch im gesamten Bundesgebiet mit an der Spitze. So wird Niedersachsen mal wieder seinem Ruf als „Pferdeland“ gerecht, was ja sogar im Landeswappen dokumentiert ist.

Nach langen Vorbereitungen wurden in dem sechstägigen Kurs von Katrin Maerten die zahlreichen Anforderungen an einen Wanderreitführer erstmals in der Praxis vermittelt. Entsprechend groß war auch das Interesse der FN (Deutsche Reiterliche Vereinigung). Da ein Wanderreitführer eine sehr große Verantwortung für Mensch und Tier trägt, sind bereits die Einstiegsvoraussetzungen recht hoch. Für die Ausbildung zum Wanderreitführer müssen deshalb folgende Qualifikationsstufen durchlaufen werden: Basispass, Deutscher Reiterpass, Wanderreitabzeichen Stufe 1 und Stufe 2 und der Berittführer.

Auf der Ausbildungsanlage von Katrin Maerten in Schneverdingen können die notwendigen Abzeichen und das Zertifikat des Wanderreitführers erlangt werden. Der Betrieb hat damit fast ein Alleinstellungsmerkmal im ganzen Bundesgebiet, so dass es im letzten Kurs sogar Teilnehmer aus Bayern gab. Weitere Infos unter Tel.: 05198/9878-01, www.Wanderreiter.info

 

 

Waltraud Böhmke ritt „Wotan“, Christina Reichert „Saranja“ und Katrin Maerten „Eddy“


Der Lehrgang mit anschließender Prüfung:

Wieder ein Pilotlehrgang im Pferdesport Verband Hannover (PSVHAN) - der dritte seiner Art:

Was hat die Meeresforelle mit Wanderreitführern gemeinsam?

Im Prinzip recht wenig...

Eine der Prüfungsaufgaben der zukünftigen Wanderreitführer hieß: „Planen Sie einen Wanderritt südlich von Ihrem Stall (Anm.: Dieser liegt in einem Ortsteil von Schneverdingen).       Beachten Sie dabei, dass Sie für die imaginäre Ausschreibung einen Anreiz der Teilnahme an diesem Ritt schaffen, sprich: Welches Motto/welches Thema hat dieser Wanderritt.“

Eine prima Aufgabe für die Teilnehmer. Die Gesetzgebung bezügl. des Reitens in freier Natur in Niedersachsen ist passend: Alle Wege, die von einem nicht Allrad angetriebenen PKW ganzjährig befahren werden können, dürfen auch beritten werden. Natürlich gibt es auch diverse Ausnahmen, aber alles zu diesem komplexen Thema, einschließlich des Umweltschutzes, haben wir ja bereits im Wanderreitabzeichen Stufe 1 und 2 gelernt. Somit schauten wir also in die Karte und suchten die passende Strecke aus. Aber dann? Wie bekommen wir das mit dem Motto geregelt? Außer „schöne Wege“ ist da doch nichts. Oder doch? Die Internetrecherche brachte uns auf die Spur der Meeresforelle.

Es ist ein Wanderfisch (passt doch bestens zu uns, oder?), der vom Meer in die Flüsse schwimmt, um dort abzulaichen. Einige Angelvereine haben sich zusammengeschlossen, um diesen Fisch wieder anzusiedeln, der Anfang des 20. Jahrhunderts im Wümmegebiet ausstarb. Sie haben in verschiedenen Flüssen ein dafür erforderliches Kiesbett angelegt, u.a. auch in der Ruschwede, einem Flüsschen bei Haswede/Schneverdingen. Dieser liegt genau auf unserer Strecke! Die Mittagsrast war ebendort geplant: Die Pferde konnten somit optimal versorgt werden, die Prüflinge zeigen, wie diese vonstattengehen sollte.

Aber natürlich gehört nicht nur die Planung eines Wanderrittes zu den Aufgaben der Wanderreitführer. Auch das Basiswissen bezügl. der Unterrichtserteilung wurde gelehrt und geprüft. Zu beachten waren dabei die Grundlagen der Pädagogik, der Aufbau und die Gestaltung von Ausritten, die altersbezogene Unterrichtserteilung und die Aufsichtspflicht und Unfallverhütung. Bei der Reitlehre soll der Wanderreitführer Reiter auf mehrtägige Touren sowie auf Einstiegswettbewerbe vorbereiten können. Die Themen des sportartbezogenen Basiswissens reichten von der Organisation, Sport und Umwelt, sowie die Sicherheit über die Pferdehaltung und Veterinärkunde, die speziell auf die Bedürfnisse der reisefreudigen Reiter abgestimmt waren.

Ganz wichtig waren der Lehrgangsleiterin Katrin Maerten auch die touristischen und kaufmännischen Aspekte des Wanderreitens. Wie bereits erwähnt, sollte die Ausschreibung so aufgebaut sein, dass sie interessante und wichtige Informationen bietet. Bei der Preiskalkulation eines angebotenen Wanderrittes ist zu beachten, dass die Kosten nicht nur die Übernachtung und die Verpflegung beinhalten, sondern auch diverse (Pflicht-) Versicherungsbeiträge als Reiseveranstalter. Die Erkenntnis, dass auch ein „Gelegenheitsreiseveranstalter“ wie z.B. ein Verein, der einmalig einen Wanderritt veranstaltet, verpflichtet ist eine Insolvenzversicherung abzuschließen um nicht ordnungswidrig zu handeln, ist nicht jedem bekannt.

Die erfolgreiche Teilnahme am Lehrgang und an der Prüfung wurde den beiden erfahrenen Reitern durch das Zertifikat „Wanderreitführer” bestätigt. Die Richterin, Frau Waltraud Böhmke, die die zwei-tägige Prüfung per Pferd begleitete, fühlte sich „sehr wohl während des Rittes und gut betreut“. Der Richter, Herr Horst-Axel Ahrens, der die Reiter freundlicherweise „getrosst“ hatte und an markanten Punkten mit Orientierungsaufgaben aufwartete, sprach ebenfalls sein Lob für die Organisation des Lehrganges, die solide  Ausbildung und das sehr gute Wissen der Wanderreitführer aus. Beide Richter hatten sich im Vorwege sehr für die Durchführung dieses Lehrganges eingesetzt und sich entsprechend über die Materie informiert. Mein herzlicher Dank dafür!

 

v.l.n.r.: Christina Reichert (Weilheim/Bayern), Katrin Maerten aus Schneverdingen, Nds.

und Richterin Waltraud Böhmke, Vorsitzende Ausschuss Allgemeiner Pferdesport (PSVHAN)