Allgemeine Jugendarbeit: "Man muss Jugendlichen auch etwas zutrauen"

Nicht nur Sportförderung, sondern auch Gewinnung des ehrenamtlichen Nachwuchses zählt zu den Aufgaben der Pferdesportverbände

Warendorf (fn-press). Jetzt schon den Weg in die Zukunft bereiten: Nach diesem Motto bereist derzeit eine Delegation der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) unter der Leitung von Bundesjugendwartin Heidi van Thiel (Essen) die Geschäftsstellen der Landespferdesportverbände. Ihre Vision ist es, Werbung für die „Allgemeine Jugendarbeit“ in den Verbänden zu machen. Denn der Pferdesport braucht nicht nur Talente im Sattel, sondern auch ehrenamtlichen Nachwuchs in den Vereinen. FN-press sprach mit Maria Schierhölter-Otte, Leiterin der FN-Abteilung Jugend, über die Ergebnisse der Rundreise.

FN-press: Frau Schierhölter-Otte, das war bereits Ihr zweiter Besuch in den Geschäftsstellen der Landesverbände, um dort über Allgemeine Jugendarbeit zu sprechen. Was versteht man eigentlich darunter und was wollten Sie mit Ihrer Rundreise erreichen?

Maria Schierhölter-Otte: Die Definition für Allgemeine Jugendarbeit lässt sich am besten mit Jugendbildungsarbeit umschreiben. Es geht uns darum, die Landespferdesportverbände für das Thema außersportliche Jugendarbeit zu sensibilisieren. Dabei wollten wir vor allem aufzeigen, wie man ehrenamtlichen Nachwuchs gewinnen und dafür an Fördermittel und Unterstützungsleistungen für entsprechende Aktivitäten kommen kann. Die Zukunft des Ehrenamtes ist ja überall ein drängendes Problem.

FN-press: Würden Sie Ihre Reise als Erfolg bezeichnen und wenn ja, woran machen Sie das fest? Wurden konkrete Maßnahmen beschlossen?

M.S.-O.: Bislang haben wir Gespräche mit sechs Landesverbänden geführt. Diese waren sehr erfolgreich, wie uns von den Teilnehmern signalisiert wurde. Unsere Aufgabe ist es vor allem, zuzuhören und zu erfahren, wo es Probleme oder Unterstützungsbedarf gibt. Dabei haben wir ganz tolle Projekte kennengelernt, die gerne kopiert werden dürfen. So hat beispielsweise das Jugendteam aus dem Saarland ein Hindernis kreiert und gebaut, das bei den Landesmeisterschaften eingesetzt wurde. Besonders viel Erfahrung in Sachen Allgemeiner Jugendarbeit hat auch der Pferdesportverband Westfalen. Hier wurde in diesem Jahr zum Generationen-Frühstück eingeladen, bei dem sich das Jugendteam mit gestandenen Ehrenamtlern austauschen konnte. Insgesamt besteht Allgemeine Jugendarbeit sehr viel aus Weiterbildungsmaßnahmen, beliebt sind zum Beispiel Workshops zum Thema Projektmanagement und Teambuildung.

FN-press: Was zeichnet aus Ihrer Sicht gute Allgemeine Jugendarbeit aus? Woran lässt sich das erkennen?

M.S.-O.: Es gibt ein paar Eckpunkte, die erfolgversprechend sind und in den gut aufgestellten Verbänden praktiziert werden. Dazu zählt zum Beispiel eine hauptamtliche Unterstützung in der Geschäftsstelle des Landesverbandes. Ohne diese funktioniert Allgemeine Jugendarbeit in der Regel nicht, die Landesjugendsprecher oder das Jugendteam fühlen sich alleine gelassen und alle vorhandene Energie verläuft im Sande. Auch eine offene und interessierte Landesjugendleitung, die die Jugendlichen mit Projekten betraut und sie diese auch umsetzen lässt, ist von Vorteil. Nicht zuletzt sollten die Jugendsprecher regelmäßig Gelegenheit bekommen, in Vorstands- oder Präsidiumssitzungen etwas über das Funktionieren eines Landesverbandes und demokratische Entscheidungsprozesse mitzubekommen. Dass sich das auszahlt, beweisen die Landesverbände, in denen ehemalige Jugendsprecher bereits Karriere gemacht haben, wie zum Beispiel die ehemalige Bundesjugendsprecherin Beverly Haertrich, die heute Geschäftsführerin des Pferdesportverbandes Saarland ist.

FN-press: Woran hapert es in den LV, in denen Allgemeine Jugendarbeit noch wenig stattfindet?

M.S.-O.: Das größte Problem sind die begrenzten Kapazitäten im Hauptamt, aber auch das gelegentlich mangelnde Verständnis für ein Engagement, das sich möglicherweise erst in zehn Jahren positiv für den Landesverband auswirkt.

FN-press: Was sagen Sie den Verantwortlichen in diesen Verbänden, warum es sich für sie lohnt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen?

M.S.-O.: Allgemeine Jugendarbeit ist ein wichtiges Instrument der Verbandsentwicklung. Es wird immer schwieriger ehrenamtlichen Nachwuchs auf Vereins- und Landesverbandsebene zu gewinnen. Damit das geschieht, muss man die Jugendlichen, die begeistert für den Pferdesport sind, in die Aufgaben des Vereins oder Verbandes einbeziehen und ihnen auch etwas zutrauen. Im Pferdesportverband Weser-Ems hat das Jugendteam zum Beispiel selbständig den Reiterball für den Gesamtverband organisiert, mit eigenen Ideen und einem eigenen Budget. Vorbildlich ist in diesem Zusammenhang auch der Internetauftritt des Pferdesportverbandes Rheinland-Pfalz. Hier können Interessierte nachlesen, wie sie sich als Jugendliche in den Verband einbringen können, auch wenn sie keine Turnierreiter sind. Dabei handelt es sich meist um zeitlich begrenzte Projekte, denn die Erfahrung zeigt, dass die jungen Leute sich meist nicht für mehrere Jahre verpflichten können und wollen.

FN-press: Welche Aktivitäten in Sachen Allgemeine Jugendarbeit hat sich die FN selbst für dieses Jahr vorgenommen?

M.S.-O.: Die Landesjugendsprecher – also das FN-Juniorteam – haben sich für dieses Jahr zwei wesentliche Meilensteine gesetzt. Zum einen haben wir nun schon zum zweiten Mal ein Seminar „Juniorbotschafter Dopingprävention“ angeboten. Zum anderen geht es um das aktuelle Thema „Flüchtlinge“ und die Frage, wie man das Pferd für ein gemeinsames Projekt nutzen kann. In einem ersten Schritt ging es um die Herangehensweise an ein solches Projekt ganz allgemein, im Oktober sollen die Jugendsprecher das Erarbeitete dann im Saarland in die Praxis umsetzen. Ziel ist, dass die Jugendsprecher oder Jugendteams dann später auch ähnliche eigene Projekte in ihren Verbandsbereichen umsetzen. Denn, wie bereits gesagt, glauben wir, dass jeder Landesverband langfristig davon profitiert, wenn er seine Jugendsprecher auf Landesebene einfach mal ein Projekt selbst organisieren und durchführen lässt.“