Abgeordnetenhaus Berlin: Pferdesport einziges Thema im Sportausschuss

 

Am vergangenen Freitag tagte der Sportausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses und hatte nur ein einziges Thema: Den Pferdesport in Berlin.

Die Sitzung kam auf Betreiben der beiden Regierungsparteien CDU und SPD zustande. In der Beschlussvorlage heißt es: „…Der Senat wird aufgefordert, zu prüfen, wie der Pferdesport in Berlin und Umgebung unterstützt werden kann. Im Rahmen der möglichen Maßnahmen soll insbesondere geprüft werden, inwieweit eine hinreichende Präsenz im Rahmen von Berlin.de bei der Senatsverwaltung für Inneres und Sport aufgebaut werden kann. Dabei sollen die Pferderennbahnen in Karlshorst, Mariendorf und Hoppegarten berücksichtigt werden. Außerdem sollte auch auf die Angebote beim Jugendsport und beim therapeutischen Reiten aufmerksam gemacht werden. Dem Abgeordnetenhaus ist bis zum 30. September 2013 zu berichten.

Begründung:

Berlin bietet mit den vorhandenen Sportanlagen für die Ausübung des Pferdesports grundsätzlich gute Bedingungen für die Pferdesportler. Aufgrund einer relativ hohen Anzahl von Pferdesportlern und Pferdesportvereinen in Berlin und Brandenburg wäre eine stärkere Unterstützung der vorhandenen Angebote in Berlin im Rahmen von öffentlich wirksamen Darstellungen auf den Internetseiten der Senatsverwaltung für Inneres und Sport wünschenswert. Zur Stärkung des Nachwuchses und insbesondere vor dem Hintergrund der positiven Auswirkungen auf die Gesundheit sollten zudem die Angebote des Jugendsports oder des therapeutischen Reitens viel stärker betont werden.“

 

So weit, so gut. Im Abgeordnetenhaus trafen sich pünktlich um elf nicht nur die Mitglieder des Ausschusses fast vollständig, sondern es waren auch Gäste geladen, die planmäßig gehört werden sollten. Einer von ihnen war der LPBB-Präsident Peter Krause (Foto ganz oben). Außerdem sprach noch für den Förderverein des Pferdesportparks Berlin-Karlshorst der Vorsitzende Dr. Andreas Prüfer, der von der Fraktion Die Linke benannt wurde. Peter Krause sprach auf Wunsch von CDU und SPD.

 

Die Ausschussvorsitzende Frau Karin Halsch (SPD) leitete die Sitzung. Ihr zur Seite saß der Staatssekretär der Senatsverwaltung für Inneres und Sport Herr Andreas Statzkowski (CDU), der in Sachen Berliner Pferdesport vor allem bei den Turnieren im Süden der Hauptstadt schon seit Jahren fördernd in Erscheinung tritt. Statzkowski berichtete gemäß Tagesordnung aus der Senatsverwaltung. Da ging es um viele sportliche Angelegenheiten und u. a. um eine Anfrage des Weltverbandes für Modernen Fünfkampf, ob die WM 2015 in Berlin ausgetragen werden könnte. Auch das ist schließlich ein nicht ganz unwesentlicher Aspekt des Reitsports, denn Springreiten ist eine der fünf Disziplinen im Modernen Fünfkampf.

Und wenigstens eine Person muss noch erwähnt werden, die dem Ausschuss für die CDU angehört: Es ist Fritz Kluchert, der als aktiver Reitsportler bei dieser Sitzung nicht das Wort ergriff, dafür aber sehr genau zuhörte, was über den Berliner Pferdesport gesprochen wurde.

LPBB-Präsident Peter Krause erhielt zunächst das Wort und gab den Anwesenden einen recht ausführlichen Überblick zu den wichtigsten Aspekten des Pferdesports in Berlin und – weil es sich in der Region nicht ausschließen lässt – Brandenburg. Redegewandt und ausgesprochen deutlich formulierte er den beutenden Berliner Beitrag für den Pferdesport der Region. Die von ihm genannten Zahlen waren für einige Abgeordnete neu und teilweise doch recht beeindruckend.

Dr. Andreas Prüfer sprach für den Pferdesportpark Berlin-Karlshorst und auch nur für diesen, was thematisch sehr speziell rüberkam und die Abgeordneten auch etwas zu verwirren schien. Während sich also der eine für den Reitsport allgemein äußerte, schien der andere doch eher Lobbyarbeit für seinen Verein zu betreiben, obwohl die Berliner Pferderennbahnen und ihre Probleme durchaus interessant für die Abgeordneten waren. Zu den weiteren Themen, die für den Ausschuss von Bedeutung waren, gehörten nämlich ebenfalls der bauliche Zustand der Rennbahnen, das Olympiareiterstadion bzw. seine Zukunft sowie das therapeutische und breitensportliche Reiten. Zu diesen Punkten äußerte sich Peter Krause umfassend, verständlich und im besten Sinne des Wortes konstruktiv, was der Ausschuss wohlwollend zur Kenntnis nahm. Ließen sich doch aus seinen Äußerungen wichtige Entscheidungshilfen für eine anstehende Abstimmung zum Thema ableiten.

 

Grüne und Linke stellten Fragen zum Tierschutz, zu den Schwierigkeiten der Unterbringung von Pferden im knappen Berliner Raum, zur Kinder- und Jugendarbeit. Die Piraten waren eher an den Gemeinsamkeiten der vielen angesprochenen Player und Umstände interessiert; wollten wissen, wie das Projekt „Reiten als Schulsport“ in Neustadt funktioniert.

 

Die CDU als Antragsteller hob die Problematik der Abwanderung des Pferdesports in das brandenburgische Umland hervor und leitete die Problematik ab, dass das weniger lukrative therapeutische Reiten und der Breitensport gefördert werden müsste, weil diese im Berliner Raum noch existierten, wohingegen die gewinnbringende Pensionspferdehaltung in Berlin nur noch eine Randerscheinung ist. Dem stimmte Peter Krause zu und schlug vor, die wenigen verbliebenen Privatställe ebenfalls in etwaige Fördermaßnahmen miteinzubeziehen, denn von dort kämen wichtige Impulse für den Erhalt des Pferdesports der Hauptstadt.

Krause hält die Koordination insgesamt für recht schwierig, da sich ein gemeinsamer Landesverband Berlin-Brandenburg bereits einen Schritt weiter vorn befindet, als die noch immer politisch getrennten Bundesländer. Dem pflichteten die Abgeordneten bei.

 

Die entscheidende Frage stellte am Schluss Anja Schillhaneck von den Grünen, die wissen wollte, was das alles kostet. Staatssekretär Statzkowski wies darauf hin, dass es im Sportausschuss lediglich um die Nutzung bestehender Anlagen gehen könnte und nicht, wie beispielsweise im Falle des Olympiareiterstadions – um baurechtliche Fragen. Ein Nutzungskonzept für diese Anlagen und die damit verbundenen möglichen Höhen der Förderungen seitens der Stadt sollen bis Ende des Jahres 2014 erarbeitet und veröffentlicht werden. Dann wird man sich weiter zum Thema unterhalten.

Die Berliner CDU hat sich die Förderung des Reitsports auf die Fahnen geschrieben und geht einen Schritt in die richtige Richtung, den der Koalitionspartner mitträgt. Es bleibt abzuwarten, was sich binnen Jahresfrist daraus entwickelt und wie sich der Pferdesport in der Hauptstadt bis dahin darstellt. Dann wird spätestens gehandelt, wie aus dem Ausschuss zu hören ist.

 

Der Hauptstadt-Reitsport könnte in den nächsten Jahren die Chance seines Lebens oder seines Wiederbelebens erhalten, wenn sich die politische Konstellation nicht verändert. Das könnte am Ende bestimmt der unumstrittene Verdienst der Berliner CDU sein. Schön für die Region, die so viele Pferdefreunde in ihrer regierenden Partei weiß.

Wie sich die Abgeordneten positionieren werden, steht noch aus. Die Abstimmung über die Beschlussvorlage der CDU/SPD steht für die nächste Sitzung an. Dann kommt hoffentlich einiges ins Rollen.

HIER geht es zum Video der Ausschusssitzung.

Fotos von Jan-Pierre Habicht ©