60. Januarturnier Swakopmund: Der Tag der Derby-Entscheidungen

Armin und Karin Schommarz

Nadine Esselmann und Weissenfels Mahati

Nadine Flemming und Seeis Eymet

Nadine Flemming und Seeis Shelton

Pia Gebhardt und Bastos Twahil

Werner Bartsch und Branic Always a Pleasure

Am Samstag ist in Swakopmund beim Januarturnier immer Derby-Zeit. Den Vormittag verbrachten die Zuschauer am großen Dressurviereck. Anschließend wurden die Zelte und Tribünen am Springplatz besetzt. Gegen Mittag eroberten vier Fallschirmspringer die Arena. Die Jungs von SkyDive4Fun mit ihrem Chef Derick Gey van Pittius zeigten aus 3000m Höhe gesprungene Punktlandungen zwischen den bereits aufgestellten Hindernissen. Das war spektakulär und unterhaltsam. Schließlich sollte den mehr als zweihundert Gästen seitens des ReiterVereins Swakopmund etwas geboten werden.

Weniger spektakulär, dafür aber mehr als lustig wurde es am Abend. Nach den sportlichen Höchstleistungen wurde etwas für die Lachmuskeln und das Zwerchfell getan. Dazu später mehr. Zunächst wird der Blick auf die Dressur gerichtet. Im Children Dressage Derby traten die besten drei Paare des Turniers gegeneinander an. Neun Runden wurden geritten, denn jeder Reiter musste auch mit dem Pferd der Konkurrenz an den Start. Das nennt man dann Dressur mit Pferdewechsel; eine sehr anspruchsvolle Aufgabe für Pferd und Reiter gleichermaßen. Geehrt werden am Ende sowohl der beste Sportler mit zwei als auch mit vier Beinen. Im Children Dressage Derby nun gelang gas Nadine Esselmann. Sie erhielt nicht nur eine Schleife in Gold, sondern zusätzlich eine ansehnliche Schärpe gleicher Farbe. Das beste Pferd der Prüfung war Okakambe Oskar von den Okakambe Stables. Der brave Fuchs zeigte sich bestens aufgelegt und trug seine jungen Damen vorbildlich durchs Viereck.

Im Junior & Adult Dressage Derby ging es im selben Modus weiter. Hier allerdings standen die Vorzeichen gut für Nadine Flemming, denn sie galt als Favoritin. Dieser Rolle wurde sie voll und ganz gerecht. Das gilt ebenso für ihr Pferd Seeis Shelton. Der Start in das Turnierjahr 2017 ist für Nadine absolut verdient gelungen.

Die Springwettbewerbe des Tages begannen mit einem Stil-Springen über 70cm. Der Sieg war eine Familienangelegenheit. Jenna Gilchrist siegte auf Arkab Knoffel vor ihrer Cousine Svenja Späth, die Zamnarib’s Ronaldo in den Parcours geführt hatte. Ingrid Kotze und Zorino Heledine erreichten Gold im Stilspringen über 80cm. Armen Piepmeyer und Jason wurden Zweite.

Danach stieg die Spannung, denn es ging endlich mit den Derbys los. Den Anfang machten die 90cm-Reiter. Leider erreichten nur zwei Paare im Timber-Ex-Jumping-Derby das Stechen. Und selbst das wurde erst sehr spät im Umlauf klar. Turniersprecher Reiner Piepmeyer sah ein Stechen der Vier-Fehler-Ritte voraus. Ihm machte Karin Schommarz einen Strich durch die Rechnung. Sie erreichte auf Bellissima Beau Cheval die zweite Runde, musste sich dort aber Werner Bartsch geschlagen geben. Der hatte mit Branic Always a Pleasure den richtigen Partner für den Sieg unter der Reithose. Nachdem Karin einen Abwurf hatte, lastete der Druck auf dem jungen Reitersmann – übrigens einem der wenigen Männer in den Starterfeldern des Turniers. Er kam mit der Situation sehr gut zurecht und legte eine blitzsaubere Runde hin. „So sehen Sieger aus“, klang es aus den Lautsprechern. Svenja Späth belegte die Plätze drei und vier mit ihren Pferden Voigtskirch Salvano sowie Davetsaub Sans Souci’s. Letzteres Pferd hatte mit seiner Reiterin viel Pech, fiel doch im Umlauf trotz eines guten Rittes die letzte Stange.

Das Novel Ford Jumping Derby in der 1,00m-Ausgabe bot fünfzehn Paaren die Möglichkeit für den Sieg. Das allerdings war nicht einfach, denn das Teilnehmerfeld war hochkarätig. Die Betriebstemperatur war im roten Bereich, was nicht nur am Wetter lag. Eine Reiterin musste sogar ein unfreiwilliges Bad nehmen. Schlimmeres passierte nicht, auch wenn der Wüstenboden mehrmals Besuch bekam.

Im Umlauf legte Pia Gebhardt auf Bastos Twahil die erste Nullrunde hin. Gesche Gilchrist und Seeis Dansuelo meldeten sich ebenfalls für das Stechen an. Außerdem im entscheidenden Parcours: Sabine Gogol mit Zalencia. Sabine legte dort die erste Nullrunde hin und erhöhte den Druck auf Pia und Gesche. Dann folgte Pia Gebhardt vom Walvis Bay Equestrian Center. Mit Bastos Twahil ging es so rasant über die Stangen, dass schnell klar wurde, wer Gold sicher machen wollte. Gesche Gilchrist und Dansuelo schoben sich nach einer guten Runde noch auf Rang zwei; Sabine Gogol am Ende Dritte.

Heidi Snyman vom Café Anton war als Sponsorin des Derbys über 1,10 und 1,20m selbstverständlich anwesend, als sich zwanzig Paare in den Umlauf begaben. Parcourschef Heiko Wahlers hatte keine Geschenke auf den Platz gestellt. Als größte Herausforderung stellte sich die Mördergrube namens Devil’s Dyke heraus. Im Deutschen sagt man Pulvermanns Grab dazu. Das Hamburger Hindernis war in der Swakopmunder Ausgabe für einige Pferde zu viel des Guten. Den Wassergraben empfanden einige Vierbeiner ebenfalls als nicht überwindbar. Aber es kann ja nicht jeder gewinnen. Trotzdem kamen zwei Nuller ins Stechen. Zwischen den beiden Reiterinne lagen so in etwa vierzig Jahre Reitsporterfahrung. Annette Künzle erreichte auf Seeis Eymet so gerade eben das Stechen. Dreizehn Hundertstel blieben noch, um einen Zeitfehler zu kassieren. Aber das war in der Finalrunde nicht wichtig. Erste Starterin war Nadine Flemming auf Seeis Eymet. Wer auch immer der sechzehnjährigen Nadine das Coolness-Modul eingebaut hat, tat gut daran. In schönem Rhythmus ging es Hindernis über Hindernis. Am Ende ihres Rittes blieb alles oben.

Annette Künzle musste nachlegen. Sie hatte Seeis Elton dabei. Gestütsbesitzer Wolfgang Späth stand am Platzrand und konnte sich bereits vorzeitig über einen Sieg eines Pferdes aus seiner Zucht freuen. Nicht ganz so glücklich war wahrscheinlich Annette selbst. Nach zwei Abwürfen und einem Zeitfehler gehörte ihr die silberne Schleife. Somit durfte sich Nadine Flemming über einen Doppel-Derby-Sieg in Swakopmund freuen. Der Applaus vom Platzrand fiel bei der Siegerehrung entsprechend aus.

Den Abschluss des Samstags bildete das Ride & Drive. In diesem Jahr ging es mit Pferd und Fahrrad über den Wüstensand. Vor der Ziellinie musste noch eine Flasche Tafel Lager geleert werden. Bestes Gespann des Wettbewerbs waren Karin Schommarz und ihr Bruder Armin. Parcourschef Heiko Wahlers trat mit seiner Tochter Charlotte an. Sie strampelten sich zu Rang zwei. Den heimischen Reit- und Fahrverein Scheeßel in Niedersachsen dürfte das erfreuen.

Nachgetragen werden hier noch die Ergebnisse aus den Equitation-Wettbewerben vom Freitag. Bei den Kindern gewannen zusammen auf Platz eins Jenna Gilchrist auf Arkab Knoffel mit Jayd Bassi Hanssen und Jessica. Zwei erste Plätze waren es auch bei den Junioren. Hier siegten Jessica Kreiner auf Kiara und Sheena Dürr mit Claratal Duneside Kiera. Jessica holte sich auf Manna from Heaven zusätzlich Rang drei.

Bei den Erwachsenen Reitern ging ein Schimmel in der Siegerehrung voran. Seeis Dansuelo trug seine Reiterin Gesche Gilchrist zum Sieg. Auf dem Podium fanden sich zudem Ingrid Kotze mit Zorino Heledine wieder. Rang drei ging an Laura Braune auf Zonjati Bon Camilo.

Fotos von Jan-Pierre Habicht © :

Armin und Karin Schommarz siegten im Ride & Drive

Nadine Esselmann und Weissenfels Mahati siegten im Dressur-Derby Children

Nadine Flemming und Seeis Eymet siegten im Springderby über 1,10m

Nadine Flemming und Seeis Shelton siegten im Dressurderby der Junioren und Erwachsenen

Pia Gebhardt und Bastos Twahil siegten im 1,00m-Derby

Werner Bartsch und Branic Always a Pleasure siegten im 90cm-Derby