50 Jahre und kein bisschen weise: Überraschungsparty für Olaf Hille in Alt Zeschdorf

Schon vor Monaten wurde in aller Verschwiegenheit und nur per Chat die große Überraschungsparty initiiert und mit den Vorbereitungen begonnen. Kein Wort drang nach außen, alle hielten dicht. Als es dann gestern soweit war, versammelten sich mehr als sechzig Verschwörer in der Alt Zeschdorfer Reithalle und waren bewaffnet mit Wunderkerzen, Blumen und Geschenken, die zumeist aus Irland, Schottland oder Kentucky kamen.

Unter dem Vorwand eines erkrankten Pferdes wurde Olaf Hille vom heimischen Herd geholt und in die Halle gelockt. Und das geht bei Olaf Hille schnell, wenn es um das Tier eines Einstellers geht, welches er betreut. So musste also auch niemand lange Geduld üben und der Herrscher des Alt Zeschdorfer Harems betrat die Halle und wurde mit Gesang und Beifall begrüßt. Es war schon etwas mehr als ein Leuchten, das da auf dem Gesicht von Olaf zu sehen war. Der sonst so harte Kerl mit den markigen Sprüchen wirkte gerührt und erleichtert zugleich. Es hatte ihn keiner vergessen – vor allem nicht seine Reitfrauen, die er schon seit vielen Jahren trainiert und unterstützt.

Vor dem großen Gratulationsreigen gab es eine wohlwollende Laudatio seines Freundes Tierarztes Dr. Albrecht Horzetzky, der nicht nur die Vorzüge, sondern auch die Eigenarten des Pferde- und Menschenfreundes Olaf Hille eindrucksvoll zu würdigen wusste. Das konnte sich Horzetzky auch erlauben. Er kennt OH bereits seit einem Vierteljahrhundert. Auch der Vorsitzende des Kreisreiterverbandes Märkisch-Oderland Torsten Zellmer von Knobelsdorf überbrachte die Glückwünsche im Namen des Vorstandes.

Nach dem Anstoßen, vielen Umarmungen und einigen Zigaretten startete der zweite Teil des kleinen Programms, welches die Mitglieder des RFV Alt Zeschdorf für ihren Olaf vorbereitet hatten. Peter Heinze wurde zum Olaf Hille-Darsteller und unternahm erfolgreich den Versuch, den hochgelobten Reitlehrer vor seinen eigenen Augen als ihn selbst ins rechte Licht zu rücken. Bereits Monate vorher wurden deshalb nach den Trainingseinheiten die besten und markantesten Sprüche von Olaf zu Papier gebracht, um sie an diesem Abend vor seinen Augen und vor allem Ohren Revue passieren zu lassen. Die Schüler der Reitstunde waren Janine Richter und Cleopatra, Lisa Pelikowsky mit Roxana Royal sowie Viktor Wisniewski auf Akira. Gekonnt choreografiert spielte das Quartett mit Peter Heinze realistische Szenen aus dem Trainingsalltag nach. Die dazu passenden Sprüche ernteten den Beifall des Publikums. „Wenn ich das jetzt so sehe, freue ich mich, dass ihr trotzdem noch bei mir trainiert“, stellte Olaf Hille im Anschluss an die Reitstunde lachend fest.

Und selbstverständlich fehlte auch die Fahrt in der Prachtkutsche nicht. Die Vereinsmitglieder haben weder Kosten noch Mühen gescheut und Heinrich Stürmer höchstselbst dazu gebracht, seine beiden 6jährigen Friesen Webber und Wunder anzuspannen, um Olaf durch die Halle zu fahren; vorbei an der klatschenden Menge. Aber das Geburtstagskind bekam noch ein Schmankerl oben drauf. Er durfte selbst mit dem Zylinder vom eisernen Heinrich einige Runden durch die Halle drehen. Das macht ihn stolz und offensichtlich glücklich. Es sah so aus, als wenn er sich der Würde seiner Aufgabe bewusst wäre…

Dieser Abend war sicher für Olaf Hille ein besonderer. Und er zeigte zweierlei: Erstens , welches Ansehen ein Mensch besitzt, der mit seiner offenen, ehrlichen, (manchmal bestimmt etwas zu) direkten Art zu überzeugen weiß und zweitens, wie viele Menschen er damit mobilisieren kann. Es war beeindruckend zu sehen, wie eine starke Gemeinschaft in Eintracht und ohne Neid eine Feier geplant, organisiert und realisiert hat, ohne dabei an sich selbst oder die eigene Bequemlichkeit zu denken. Die Zukunft des RFV Alt Zeschdorf mit einem Olaf Hille als Trainer ist bestimmt gesichert. Ach, wenn es doch überall so wäre…

 

Fotos von Jan-Pierre Habicht