4. Hönower Reit- und Springturnier 2011 – Nachholtermin Schwache Nerven waren „An der Glücksburg“ nicht gefragt


4. Hönower Reit- und Springturnier 2011 – Nachholtermin:

 

 

Schwache Nerven waren „An der Glücksburg“ nicht gefragt

 

Hönow/MOL (jph) Dem Reitclub „An der Glücksburg“ in Hönow und Anlagenbetreiber Torsten Zellmer von Knobelsdorf kann man innige Beziehung zum Wettergott nicht bescheinigen. Auch der Nachholtermin wurde durch Regen im Vorfeld und während der Dressurprüfung Klasse M**-Kür am Freitag unter Flutlicht beeinflusst. Das hielt allerdings fast zweihundert Zuschauer nicht davon ab, die besten acht Damen der M-Dressur des regulären Turniertermins im Viereck zu begutachten. Da Tahani Ibrahim in Wroclaw/Polen weilte, rückte Janina Gojowy mit Dragonheart ins Starterfeld auf. Die wohlwollenden Richter ließen sich von dem beeinträchtigenden Sprühregen nicht ablenken. Am besten kam Gabriela Lyck-Piehl auf Lanzelot mit den schwierigen Bedingungen zurecht. Eine Wertnote von 15.4 bedeutete Platz eins. Knapp dahinter landete die fast ebenbürtige Franziska Ehrich auf Mahonyi vor Kimberley Alexandra Gibson auf Torondo van de Kruishoeve. Während der emotionalen Siegerehrung wurden die Reiterinnen mit ihren Pferden einzeln aus der Halle auf den Platz gerufen. Begleitet wurden sie von großem Jubel und Beifall der Zuschauer.

Die dreitägigen Reitwettbewerbe fanden nicht ohne Grund an jenem Wochenende statt. Der Reitclub „An der Glücksburg“ entschied sich sportlich fair und frühzeitig für diesen Termin, da er die geringsten Beeinträchtigungen für die Turnierveranstalter im Umland mit sich brachte. Zeitgleich fand in zehn Kilometern Luftlinie entfernt das Dressurturnier in Münchehofe statt.

In Hönow selbst waren trotz einsetzenden Sonnenscheins die Platzverhältnisse bis zum M-Springen am Sonntag bescheiden. Eine fünf bis acht Zentimeter dicke Schlammschicht bedeckte den darunter recht griffigen Boden. Es kam nur zu einem einzigen unfreiwilligen Verlassen des Pferdes während des Turniers. Auch wenn die umher fliegenden Sand- und Lehmbrocken einige menschliche und tierischen Extremitäten verschmutzte, war das für keinen Reiter ein Grund, die Teilnahme an folgenden Wettbewerben abzusagen. Die Veranstalter stellten den Sportlern den Abspritzplatz neben dem Parcours zur Verfügung. So kamen wenigstens die Pferde sauber vom Ritt zurück. Parcourschef Erik Schubert und die fleißigen Damen des Vereins hatten da mit dem Durchkommen schon mehr Probleme. Letztendlich bot die Barfußvariante die beste Möglichkeit, um am Hindernis zu arbeiten. Viel zu tun hatte auch Karin Hufschläger in der Meldestelle, die mit eisernem Willen und viel Übersicht die Papierlage meisterte.

Auf dem Springplatz gab es wenig Überraschendes. Die M*-Springpferdeprüfung am Freitag gehörte allein Mynou Diederichsmeier vom RV Deutschlandhalle Berlin. Sie ließ keinen Zweifel daran, dass sie zu den unumstrittenen Favoriten des Wochenendes zählte und sicherte sich mit Cnut , Carlinos und Wieta die Plätze eins bis drei. Auch ihre später noch vorgestellten und zum Teil sehr jungen Pferde offenbarten ein Springpotenzial, welches die Zuschauer staunen ließ.

Am Samstag war dann Herrentag in der Zwei-Phasen-Springprüfung Kl. M*. In einem 20er Starterfeld behielten Philipp Lyck und Ardan die Oberhand. Das Paar gewann mit fehlerfreien und respektablen anderthalb Sekunden Vorsprung vor dem überraschend vorsichtigen Steffen Krehl auf Queen. Platz drei ging an Randy Hollstein auf Chiara vom Nachbarverein, der ebenfalls fehlerfrei blieb, sein Tempo in der zweiten Phase etwas drosselte und „auf sicher“ ritt. Stefanie Klaar von der RFSG Strausberg verteidigte die Ehre der Damen und holte sich vollständig genesen mit Conner und Duchesse Trinity die Plätze vier und fünf. Sie blieb ebenfalls fehlerfrei und war dabei etwa sieben Sekunden langsamer als der Sieger.

War doch der Samstag in Hönow schon trocken mit leichten Sonneneinlagen und turnierfreundlichen 22°C, so stand der Sonntag nicht nur im Zeichen der Bürgermeisterwahlen, sondern auch im Zeichen eines sonnig-warmen Tages. Entsprechend viele Zuschauer fanden nach dem Spaziergang zum Wahllokal auch noch den Weg zum Platz und erlebten sehr guten Springsport. Und weil Steffen Krehl auf dem Hannoveraner A’Feliks auch mal siegen wollte, machte er das, was er am besten kann: Er gab beim M*-Springen richtig Gas. In dem von Erik Schubert entworfenen Parcours trennte sich im Umlauf planmäßig die Spreu vom Weizen. Krehl und A’Feliks vom LRFV Lentzke hatten am Ende die Nüstern vorn und siegten fehlerfrei in 30.43 Sekunden vor Mynou Diederichsmeier auf Connecticut mit gleichfalls fehlerfreien 31.81 Sekunden. Der Name des Pferdes war übrigens neben Duchesse Trinity von Steffi Klaar immer wieder eine Herausforderung für den Turniersprecher. Mit angezogener Handbremse und einem ruhigen Blick ritt Stefanie Klaar aber vorher auf Conner zu Platz drei und blieb in glatten 35.00 Sekunden fehlerfrei. Damit erreichte sie das selbst gesteckte Minimalziel und war am Ende nicht ganz zufrieden. Ein großes Raunen ging durch die Menge, als Torsten Zellmer von Knobelsdorf als Hausherr auf Andora fast zum Schluss ein Holz fallen ließ, obwohl der Ritt erstaunlich souverän und sicher wirkte.

Nach der letzten Siegerehrung begann dann die Vorstellung der Helfer: Alle Vereinsmitglieder und viele Angehörige sorgten dafür, dass die größten Spuren des Turniers beseitigt werden. Bis zum Einbruch der Dunkelheit wurde gereinigt und aufgeräumt. Selbst die Sponsoren halfen mit. Von den fast eintausend Zuschauern des Wochenendes mussten einige Spuren beseitigt werden.

Tortsen Zellmer von Knobelsdorf nach dem Ausblick für das nächste Jahr befragt, gab es noch einige Neuigkeiten zu berichten. Erstmals wir nach den diesjährigen Erfahrungen seitens des RC „An der Glücksburg“ ernsthaft in Erwägung gezogen, Springen und Dressur dauerhaft zu trennen. Die offensichtlichen Vorteile für die Turnierteilnehmer und die Arbeitsentlastung für die Vereinsmitglieder liegen auf der Hand. Außerdem könnten dann die Zuschauer ihren Neigungen entsprechend das jeweilige Turnier besuchen und würden weniger Wettbewerbe verpassen, da für das nächste Jahr auch wesentlich mehr Flächen zur Verfügung stehen werden. Für die Springwettbewerbe gäbe es dann auch einen Ausweichplatz auf dem Rasen. Auf die Frage, was sich denn Zellmer von Knobelsdorf für das nächste Turnier wünscht, antwortete er: „Besseres Wetter!“

 

Text und Foto: Jan-Pierre Habicht