3 Haselnüsse für Aschenbrödel im Schönermarker Pferdeparadies: Wirklich schön

 

Wenn man schon einen langen Anfahrtsweg hat, sollte man unterwegs wenigstens optisch entlohnt werden. Und da hat die Uckermark ja bekanntlich sehr viel zu bieten. Schönermark liegt so etwa zehn Kilometer nordöstlich von Angermünde. Auf dem Weg dorthin fährt man noch immer durch Dörfer, wo der Feldstein oder der rote Backstein vorherrscht und nicht die nutzlose, gedämmte und mit Kunststoffputz zugeklebte Fassade des 0815-Häuschens aus dem Katalog. Ursprünglich ist es eben in der Uckermark. So soll es bleiben.

 

Das Örtchen Schönermark selbst ist auch nicht gerade eine Metropole; das Pferdeparadies leicht zu finden. Dort erblickt das Kinderauge sofort einen Teich mit allerhand einheimischem und exotischem Wassergeflügel, der Erwachsene eine stilecht und geschmackvoll eingerichtete Gaststube. Durch diese muss man als sterblicher Besucher auch hindurch, um in die festlich geschmückte Reithalle zu gelangen.

 

Die Dame vom Eintritt bekam für jeden Erwachsenen 15 und für jedes Kind (6 bis 14 Jahre) 7,50 Euro. Das erscheint vielleicht recht viel, ist es aber bei genauerer Betrachtung nicht. Immerhin wurde Unterhaltung zu Pferde ab 12.00 Uhr geboten. Selbst das Aschenbrödel-Märchen startete um 15.00 Uhr und dauerte etwa anderthalb Stunden. Der leckere Kuchen sowie Heißgetränke lagen preislich auf Turnierniveau; waren somit erschwinglich.

 

Und um es gleich vorwegzunehmen: Die Halle war rappelvoll und ausverkauft. Ein Großteil der Zuschauer nahm, nach Begutachtung der Nummernschilder, den beschwerlichen, gefährlichen Weg aus dem dicken B auf sich. Selbst Reisebusse standen vor der Tür. Parkplätze waren knapp und der Einweiser hatte alle Hände voll zu tun, um die Blechlawine in die Parklücken zu lotsen.

 

Das mit Spannung erwartete Märchen startete fast pünktlich und war bestimmt nicht nur für Pferdefreunde ein Augenschmaus. Regisseur und Gesamtleiter Eberhard Moews dirigierte eine Gemeinschafts-produktion des Showvereins „Pferde der Sonne“ aus Oranienburg, dem büro pegasus, art & music sowie dem Schönermarker Pferdeparadies. Nach einer Choreografie der Apassionata-Reiterin Vera Leithold-Gaebel entstand eine Show, die mit sehr viel Herzblut und Ideenreichtum ausgestattet war.

 

Kleine, feine dramaturgische Leckerbissen waren ebenso zu finden, wie große Momente für die Seele oder auch den Actionfreund. Wenn der Weltmeister im berittenen Bogenschießen als Prinz durch die Halle fegt, fliegt der Reitboden aus den Hufen bis in die Glühweinbecher und der Pfeil zielgenau in den Acrylkeiler. Die „friesischen und österreichischen Gesandten“ kamen als Quartett und legten beim großen Ball gleich noch eine Quadrille hin. So, wie es sich gehört. Überhaupt lebte die Vorstellung

 

Rita Walter sang als Aschenbrödel den uns allen wohlbekannten und vielleicht einzigen Märchenhit "Küss mich, halt mich, lieb mich" von Karel Svoboda, der uns schon mit dem Biene Maja-Song glücklich machte. Dabei brachte sie das Kunststück fertig, gleichzeitig zu singen (in einem Takt), zu reiten (in einem anderen Takt), die Hand des Prinzen zu halten und ihn dabei auch noch verliebt anzuschauen. Das schaffen sonst nur noch wenige von Gott auserwählte Menschen auf diesem Planeten. Und wahrscheinlich sind das alles Frauen.

 

Zum großen Finale kommen noch einmal alle in die Halle und drehen ihre Runden. Nach dem Ende der Show durften alle Kinder unter Aufsicht des Weihnachtsmannes noch auf den Platz und streicheln, was das Zeug hält. Auch das ist nicht überall möglich aber für Kinder mindestens ebenso wichtig wie der heiße Kakao und die Waffel.

 

An der Vorstellung gab es nichts auszusetzen. Mehr Leute hätte die Halle eh nicht verkraften können. Gesamtleiter Eberhard Moews ist nun auf der Suche nach neuen Aufführungsmöglichkeiten, die etwas dichter an Berlin dran liegen. Wer im nächsten Jahr irgendwo etwas von dieser Aufführung liest, kann getrost mit den Kleinen hingehen oder mit dem Partner in Erinnerungen schwelgen. 3 Haselnüsse für Aschenbrödel ist wahrscheinlich in jeder Art der Aufführung herzergreifend – die Variante zu Pferde bleibt allerdings ein Highlight in der Pferdeshowlandschaft.