3 Haselnüsse für Aschenbrödel: Eine wunderbare Märchen-Show mit Pferden in Neustadt!

 

Noch im letzten Jahr war das Pferdeparadies Schönermark in der Uckermark der Austragungsort der Aschenbrödel-Festspiele. Aber es war abzusehen, dass sich die Show dort auf Dauer nicht halten konnte (pferdefreunde.co berichtete). Zu groß war der Andrang, die Nachfrage, die Lust auf eine große Show mit noch größeren Emotionen; in einer würdigen Halle mit genug Platz für Action, Pferde und Menschen mit dem Drang zu etwas ganz Besonderem.

 

Ein Jahr später wurde das ambitionierte Vorhaben in der Lindenau-Halle in Neustadt/Dosse Wirklichkeit. Am vergangenen Wochenende machte sich eine Schar ambitionierter Amateure und eine Handvoll Profis auf, um die Herzen der Kinder, Eltern, Großeltern und sonstiger Pferdefreunde und Märchenliebhaber im Sturm zu erobern. Um es gleich vorwegzunehmen: Das gelang zu einhundertzehn Prozent! Nicht nur, dass die Lindenau-Halle an beiden Tagen fast restlos ausverkauft war – nein – die Zuschauer genossen die beiden Shows auch noch mit Wonne und Hingabe. Cheforganisator, Regisseur und Conférencier Eberhard Moews musste ein ums andere Mal die Stimme wieder senken, um dem spontanen Beifall seinen Lauf zu lassen.

 

Das Ensemble hatte sich zum Vorjahr etwas verändert und neue Schaubilder oder Shownummern kamen dazu. Alles war dramaturgisch sinnvoll und nachvollziehbar eingebettet in die Happy-End-Story um Rita Walter als Aschenbrödel und Sängerin, die mit dem schneeweißen Nikolaus alias Vingador unter dem Leder auf der Suche nach ihrem Prinzen war.

 

Der wurde einmal mehr verkörpert von Christian Scholle-Prestin – dem amtierenden Weltmeister im berittenen Bogenschießen. Der kam samt Frau, Kind, Gefolge und Kostümen von der Sunbow Ranch nahe Müncheberg und legte eine vielbeklatschte Stuntshow hin, in der es von Pfeilen, Speeren, Feuern und Stunts auf den Rücken der Pferde nur so wimmelte. Sie hatten zusammen mit den „österreichisch-ungarischen Gesandten" auf dem Hofball (Reiter des Shagya-Araber-Gestüts Eichenhof) den Part für Action und Spaß inne. Auch die Eichenhof-Husaren zogen die Waffen blank und waren mit ihren Pferden in der Luft über dem Feuer unterwegs. Das machte Laune und zog das Publikum mit.

 

Der größere Teil des Programms aber widmete sich Anmut und Eleganz. Die Stiefmutter Hinrika Höges) auf dem wunderschönen und sehr gut ausgebildeten Knabstrupper Harley und die nicht minder sehenswerte Stiefschwester Dora (Therese Blome) begeisterten gleich mehrfach im Pas de deux zu Ross. Nicht weniger Begeisterung rief der originalgetreue Hut der Steifmutter hervor, den Kenner sofort erkannten und beklatschten.

 

Das galt auch für die vielen Teilnehmer vom Friesenhof Spreeidyll aus Spreenhagen. Sie stellten nicht nur das ganze Fußvolk, sondern auch die Friesenquadrille, die an beiden Tagen choreografisch und in Korrektheit zu überzeugen wusste. Wer zufällig an beiden Tagen dabei war, wird erlebt haben, wie sich gleich am Anfang der ersten Szene der kleine Wauzer in der Mitte der Lindenau-Halle entleerte. Das war zwar nicht geplant, brachte aber in den ersten Sekunden viel Spaß. Und wie gesagt: Es passierte bei beiden Vorstellungen. Das Publikum honorierte die Vorstellungen der Spreenhagener mehrfach mit lautem Beifall.

 

Nicht anders ging es den Täubchen vom Voltigier- und Reitverein Birkenhof Oberhavel. Sie halfen nicht nur Aschenbrödel beim Einsammeln der Bohnen und Erbsen, sondern erfreuten alle Anwesenden mit ihren Volti-Künsten. Ganz in weiß gekleidet flogen sie auf dem Rücken ihres Pferdes im Kreise; zauberten verträumte Blicke in die Gesichter der kleinen und großen Zuschauer.

 

Für die große Show mit Stil und Präzision sorgte Nicki Pfeiffer von der Excalibur Horse Show. Zusammen mit Dajana zeigte er einen osmanischen Schleiertanz und allein auf dem Pferd die höchsten Dressurlektionen in Vollendung. Nicki ist seit Jahren unterwegs und ein Garant für Gänsehaut auf den Tribünen. Auch die Lindenau-Halle war entzückt. Es wurde während der Dressur unüblicherweise mit dem Applaus nicht bis zum Ende der Nummer gewartet, sondern zwischendurch mehrmals laut Wohlwollen geäußert.

 

Ein Star allerdings war von den Tribünen aus nur schwer zu erkennen. Deshalb ritt Aschenbrödel mit ihm auf dem Arm auch langsam und gemächlich an der Bande entlang. Die Eule Rosalie wurde gespielt von einem Waldkauzweibchen des Falkenhofs Ravensberg Potsdam. Sie war zwar stets aufmerksam und beobachtete das Publikum genau; ließ sich aber von den Blicken der jeweils weit über eintausend Augenpaare nicht aus der Ruhe bringen.

 

Zum großen Finale trafen sich dann noch einmal alle Darsteller in der Halle, um im Anschluss vor allem die kleinen Zuschauer zu ihrem Recht kommen zu lassen. Es durfte nach Herzenslust gestreichelt, gefüttert, fotografiert und geplaudert werden. Auch die Akteure freuten sich über so viel Zuspruch und gaben bereitwillig Auskunft über die Vorbereitungen, ihre tierischen Partner und die Empfindungen während der Aufführung. Ein toller Abschluss einer großartigen Show.

 

Nachdem nun alle Requisiten wieder aus der Lindenau-Halle verschwunden sind und Ruhe eingekehrt ist, bleibt natürlich die Frage, wie es weitergeht. Im nächsten Jahr peilt der Verein „Pferde der Sonne“ eine Aufführung in Sachsen-Anhalt an. Aber was ist mit all den vielen Fans im Süden und Westen Deutschlands? Wie kann man die erreichen? Und wo sind die Bedingungen ebenso günstig wie in Neustadt? Diese Fragen sollten schnell geklärt werden, denn eine solche Aufführung darf keine Eintagsfliege bleiben und schon gar nicht in der Versenkung verschwinden. Ostdeutschland jedenfalls hat einen neuen Maßstab in Sachen Märchen-Pferde-Show – 3 Haselnüsse für Aschenbrödel.

 

Fotos von Daniela Roth©

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