25 Jahre Reit- und Fahrverein Gutshof Behlendorf: Viele Namen und viel Geschichte

Der Jahrgang 1990 scheint in diesem Land kein schlechter gewesen zu sein. Nach dem Ende der DDR blühte das Vereinsleben ohne Überwachung und Bevormundung regelrecht auf. Das galt vor allem für den Bereich des Sports. Im ländlichen Raum waren die Sportvereine in der Regel betrieblich organisiert und gelenkt. Das galt gleichsam für Pferdesport und Pferdezucht.

Vor 25 Jahren entstand in der Region ein regelrechter Gründerboom in Sachen Vereinsleben, wenn man sich die vielen gleichaltrigen Zusammenschlüsse anschaut, die in 2015 ihr Jubiläum begehen. Der Reit- und Fahrverein Gutshof Behlendorf macht da keine Ausnahme. Am vergangenen Wochenende hatte der aktuelle Vorstand die Vereinsmitglieder, ehemalige Vorstandsmitglieder, Sponsoren, Freunde, Funktionäre und Kommunalpolitiker zu einem ganzen Tag eingeladen, an dem es ausschließlich um den Reit- und Fahrverein Gutshof Behlendorf ging.

Während am Tage auf den Plätzen des Pferdebetriebs Zehe den Zuschauern die sportlichen Leistungen des Vereins zu Pferde demonstriert wurden, ging es am Abend in der Reithalle anfangs eher festlich zur Sache. Mehr als einhundert Gäste fanden sich ein. Der Vereinsvorsitzende Frank Christoph erinnerte in seiner Ansprache an die Anfänge in den 1960er Jahren, als sich Günter Sorge, Wilhelm Winkel, Fritz Gottschalk und Willi Malze in schweren Zeiten für den Pferdesport einsetzten.

Im neu gegründeten Verein waren es im Jahre 1990 Ute Moritz, Michael Schwarz, Matthias Stellmacher und Joachim Arnold, die eine lange Tradition im wiedervereinten Deutschland fortsetzten. Frank Christoph erinnerte exemplarisch an einige wichtige Personen, die sich in Behlendorf und Heinersdorf um den Pferdesport bzw. die Pferdezucht verdient gemacht hatten. Er nannte Manfred Dausel, den Direktor des VEG Tierzucht, der mit einer gezielten Pferdezucht den Anfang machte. Der ehemalige Bürgermeister von Heinersdorf - Hans Joachim Scharnow - hatte maßgeblichen Anteil an der Entstehung des Turnierplatzes. Er initiierte in Zusammenarbeit mit Erika Seefried, Ina Zehe und der Familie Gottschling die ersten Reitturniere im Dorf.

1994 wurde der Vorstand in Behlendorf neu gewählt. Außer Joachim Arnold stand kein Mitglied mehr zur Verfügung. Und so sah der neu gewählte Vorstand aus: Vorsitzender Frank Christoph, Stellvertreterin Ingrid Fritzemeier, Kassenwart Ina Zehe sowie Joachim Arnold und Silvia Krohn. Später schied Ingrid Fritzemeier aus und Joachim Arnold übernahm die Funktion des Stellvertreters.

Erinnert wurde an die Herausforderungen, die sich den Vereinsmitgliedern damals stellten. Lebensqualität und Sicherheit der Pferde standen im Mittelpunkt des Vereinslebens; ebenso wie die Zukunft der reiterlichen Ausbildung des Nachwuchses. Lösungen wurden gefunden: Silvia Krohn kümmerte sich um die Pferde und der leider in diesem Jahr verstorbene Gerd Simmat um die Ausbildung.

Ein weiterer Meilenstein war der Einzug des Vereins in die Stallanlagen der Familie und des Pferdebetriebes Zehe. Nach vielen, kräftezehrenden Verhandlungen mit den Nachfolgeeigentümern des VEG Tierzucht hatte der Verein endlich ein sicheres, festes Heim bekommen. Durch die große Unterstützung der Familie Zehe wurde das Vereinsleben nun bedeutend leichter.

In den Folgejahren wurde der Vorstand erweitert. Kathrin Stein zeichnete für den Kinder- und Jugendsport verantwortlich. Sie rief die Voltigiergruppe ins Leben, die bis heute erfolgreich, regional übergreifend, aber vor allem integrativ tätig ist. Einige Zeit war Carsten Börner im Vorstand tätig, der seine neue Heimat aber schon vor Jahren im Reitrevier Münchehofe gefunden hat. Kathrin Zehe arbeitet bereits seit vielen Jahren im Vorstand als Bindeglied zwischen Verein und Pferdebetrieb mit.

Die letzte Vorstandswahl brachte eine Verabschiedung und einen Neuanfang: Joachim Arnold hatte nach 24 Dienstjahren aktiver Mitarbeit sein Amt zur Verfügung gestellt. Stellvertreterin wurde Ute Moritz, die bereits zu den Gründungsmitgliedern gehörte. Kristin Zehe übernahm den Part der Öffentlichkeitsarbeit.

Frank Christoph zeichnete ein positives Bild des Vereins und seiner Arbeit. Und da war er in seiner Aussage doch etwas zu bescheiden, wenn das Vereinsziel die Erhaltung des Pferdesports in Behlendorf und Umgebung ist. Dieses Vorhaben scheint in vollem Umfange erreicht zu sein. Gerade mit der Einbindung von Kindern mit Handicap in die Voltigiergruppe, der Ausrichtung eines erfolgreichen Turniers sowie des Finales der Kreismeisterschaften und weiterer jährlicher Events hat sich der RFV Gutshof Behlendorf einen Namen weit über die Grenzen des Landkreises hinaus gemacht. Das nennt sich nämlich Entwicklung. Und so soll es nach dem Willen des Vorsitzenden bleiben, auch wenn Frank Christoph es mit einem gewissen, aber gewiss nicht notwendigen      Understatement formuliert. Er forderte alle Vereinsmitglieder zum Dabeibleiben und Mitmachen auf. Das dürfte bei dem Beifall, der erklang, wohl zu machen sein.

Im Anschluss gab es noch viele persönliche Worte einzelner Mitglieder, bevor das Buffet und die Party eröffnet werden konnten. Auf den Teller kam übrigens ein zweijähriger Damhirsch aus eigener Zucht der Familie Zehe. Das Tanzen wurde mit einer langen Polonaise eröffnet. Die gute Stimmung hielt bis tief in die Nacht an.

Wer sich die Arbeit des Vereins mal näher anschauen möchte, kann das zur Weihnachtsfeier am 13. Dezember tun. Dann gibt es wieder Vorführungen der Mitglieder mit ihren Pferden.

Ansonsten kann man dem Verein nur bestes Gelingen wünschen. Der richtige Weg ist eingeschlagen. Auf die nächsten 25 Jahre!

Fotos von Jan-Pierre Habicht ©