120. Deutsches Traber - Derby Berlin - Mariendorf 2015: Am Sonntag geht es um alles

Im 11. Rennen um 18.10 Uhr hat das Warten ein Ende, kulminiert das Derby-Meeting in seinem sportlichen Höhepunkt. Dann heißt es Vorhang auf zum 120. deutschen Traber-Derby für jene zwölf Gespanne, die sich eine Woche zuvor in vier harten Ausscheidungsläufen die Teilnahmeberechtigung an dem mit 225.068 Euro wertvollsten Trabrennen Deutschlands erstritten haben. 107.534 davon bekommt der Sieger gutgeschrieben, und ganz Berlin drückt einem Gespann die Daumen, das im Süden der Hauptstadt stationiert und trainiert wird, aber das manchmal so zerstrittene Traber-Deutschland eint wie selten ein Traber zuvor: Züchter Michèle Durand und Kurt-Stefan Hörmann leben in Wedel bei Hamburg, Trainer Heinz Wilhalm und Fahrer Thorsten Tietz haben ihr Einmaleins im Traberwesten gelernt, der seit jeher ein Kerngebiet des Rennsports ist. Besitzer Frank Zickmantel ist in Bayern beheimatet, und der kernige braune Hengst war - bis auf eine erste Qualifikation im französischen Caen - ausschließlich in Berlin-Mariendorf zu bewundern.

Nach Siegen in den klassischen Vorprüfungen Adbell-Toddington-Rennen (17. Mai) und Buddenbrock-Rennen (5. Juli) greift er nun als 19. Traber in der langen Geschichte nach der imaginären Dreifachen Krone, die als letztes Juwel eben der Derby-Sieg schmückt. Natürlich möchte ihm der Rest der Kandidaten diese Suppe versalzen, und einige - sieht man von den Unwägbarkeiten des Sports ab - haben dafür auch erstklassige Argumente in den Hufen. Flashback beispielsweise hat Cash Hanover (Foto)  dessen einzige Saisonniederlage zugefügt und ist quasi per Geburt zu Großtaten bestimmt: Mit seinen Brüdern Unforgettable und Expo Express hat sich sein westfriesischer Trainer Arnold Mollema die Blauen Bänder der Jahre 2005 und 2014 geholt. Wie Cash Hanover hat der Braune den Vorlauf, sozusagen die Pflicht vor der heutigen Kür, ohne große Schnörkel gewonnen. Geradezu überlegen war Ferrari Kievitshof den Mitstreiter voraus. Der Dunkelbraune hat noch nie in seiner Karriere den Kelch der Niederlage auskosten müssen - kein Wunder, dass sein junger, aber bereits europaweit mit viel Erfolg aktiver Steuermann Robin Bakker sagt, dass „Ferrari fahren Spaß macht.“ Halva von Haithabu war der einzige etwas unerwartete Vorlaufsieger, doch hat gerade dieser mächtige Hengst praktisch sein Traber-Leben lang auf höchstem Niveau mitgehalten und scheint rechtzeitig alle Kapriolen zu den Akten gelegt zu haben. Kann Nikkei diesem Quartett ein Schnippchen schlagen? Besitzerin Marion Jauß würde Vieles darum geben, endlich das heiß ersehnte Blaue Band in ihrem Domizil in Neritz bei Hamburg befestigen zu können. Heinz Wewering soll’s richten, und anders als bei seinem in den letzten Tagen ziemlich einknickenden „Namensgeber“ ist der Kurs des Bruders von Derby-Sieger Nu Pagadi (2008) überaus stabil. Noblesse Oblige - Adel verpflichtet - der Name seiner Mutter könnte für den kampfstarken Burschen durchaus Programm werden.

Eine in jeder Hinsicht monströse Aufgabe steht Pferden und Fahrern im 3. Rennen bevor: Als Reminiszenz an alte Zeiten geht’s im Derby-Marathon über die bis zum Jahre 1978 gültige Derby-Strecke von 3200 Metern. Anders als damals in einem Bänderstart mit Zulagen. Dream Magic BE, bereits zur Eröffnung des Derby-Meetings am Freitag (24. Juli) stolzer Sieger und nicht erst seit seinem Derby-Triumph 2012 ein echter Fan der Berliner Bahn, bekommt es von der 3240-Meter-Marke mit den teils in ganz Europa bewährten Marathon-Spezialisten Bill Stardust, Staro foot Loose und Shoemaker zu tun. 20 Meter vor diesem Quartett legen Andrew Dragon und Harry’s Bar los. Berlins Medienstar hat nur dann eine Chance, wenn er nicht wieder aus dem Trabruder läuft - das ist ihm in den letzten drei Starts widerfahren.

Auf ultralang folgt ultrakurz. Über 1609 Meter wackelt in der Derby-Meile (8. Rennen) der seit acht Jahren in Stein gemeißelte Bahnrekord von 1:11,9. Brechen könnten ihn am ehesten Vrai Lord, wie Dream Magic BE ein Freund des Berliner Südens und frischgebackener Sieger des Charlie-Mills-Memorials wie der österreichischen „Badener Meile“, More Caviar, Fridericus und Regio.

In der Derby-Revanche der Stuten (7. Rennen) riecht es stark nach einem Duell zwischen Star Potential und Stacelita, denen die zweite Startreihe keine allzu große Hürde sein sollte.

Die aktuell vermutlich beste Lady der 2011 Aufzucht wagt sich in der Derby-Revanche um 25.000 Euro gegen das starke Geschlecht - und dies mit breiter Brust. Emma di Quattro hat sich, wie nicht nur bei ihrem vorzüglichen Sieg am 24. Juli zu sehen war, enorm gemausert und kann gegen international erprobte Recken wie Expo Express, den Derby-Sieger des Vorjahrs, Paymybills Diamant sowie die in Schweden stationierten Ewald F Boko (Derby-Zweiter) und Elton Attack (Derby-Dritter) schon mal Maß nehmen für eine eventuelle Auslandskarriere. Die Zweite des Stuten-Derbys 2014 gegen die ersten Drei des Blauen Bandes 2014 - nie hat die Derby-Revanche ihrem Namen mehr entsprochen.

Diese Pferde sehen wir vorn:

  1. Fendetta Prasini – Supervera Diamant – Indrois

  2. Sammath Naur Baba– Global Ride – Rubino degli Dei

  3. Dream Magic BE – Bill Stardust – Andrew Dragon – Shoemaker

  4. Garry – Yugo – Dulco di Quattro

  5. Expo Express – Paymybills Diamant – Emma di  Quattro

  6. Mighty Hanover – Lovely Girl – Mister Rene

  7. Star Potential – Stacelita – Lady Deluxe

  8. Regio – Vrai Lord – More Caviar

  9. Ambras Dream – Edgar Kievitshof – Thunder Girl

10. Dulco di Quattro – Garry – Yugo

11. Ferrari Kievitshof – Cash Hanover – Flashback – Fox Dragon

12. Boss Hoss – Rene M Newport – Say Goodbye

13. Cotton Rich – Edina – Jag Heuvelland

14. Dimtri W Eden – Ginger Heldia – Venise des Lucas

Foto von Marius Schwarz