117. Deutsches Traber-Derby Berlin-Mariendorf: Erik Adielsson war der Dominator

Der Schwede gewinnt mit den Stall Express-Hengsten Indigious und Chapeau und bringt auch Bradley als Zweiten ins Ziel /  Casanover lässt Roland Hülskath durchatmen

Wenn Vorläufe zum Derby auf der Programmkarte stehen, dann wird allein durch tagelange Diskussionen und Spekulationen über die Unschlagbaren und Geheimfavoriten genügend Spannung aufgebaut. So auch vor dem Start zum 117. Deutschen Traber-Derby. Fragen wie; was können die Deutsch-Schweden, wie fit ist Dream Magic BE sollten ihre Antwort finden und haben sie gefunden. Die negative Nachricht zuerst. Von den acht Gesetzten, mussten mit Comeonhill und Sir Michel zwei schon früh die Segel streichen. Die positive, der mit berechtigten Vorschuss-Lorbeeren angekündigte Erik Adielsson hat alles gehalten, was sich seine Fans von ihm versprochen haben. Zwei Siege, ein Ehrenrang - also alles richtig gemacht. Auch die weiß-blaue Traberwelt kann aufatmen, denn Dream Magic BE ist wieder fit und im Finale dabei.

Der Tag des Dream Magic BE (Josef Franzl) begann allerdings mit einem Fehlstart, weil er und Carlos Greenwood im 1. Vorlauf hinter dem Startwagen kollidierten. Der hatte aber keine Konsequenzen, denn beide bekamen ihre neue Chance. Nach dem gültigen Ab stürmte Bradley, an dessen Fahrleine kurzfristig Erik Adielsson die Verantwortung übernommen hatte, sofort an die Spitze, gab dem im Gänsemarsch folgenden Feld sein Tempo vor und schien sich eingangs der Zielgeraden auf Nimmerwiedersehen zu verabschieden. Doch dann trat Magic Dream BE auf den Plan, oder eher sein Steuermann Josef Franzl aufs „Gaspedal“, und marschierte mit Riesenschritten am Piloten vorbei und in 1:15,5, zur schnellsten Zeit aller Läufe. Diesem Duo war CC Rider bis wenige Meter vor dem Zielpfosten dicht auf den Fersen, doch dann verlor der Hengst zusehends den Rhythmus und bekam die blaue Karte zu sehen. Mit gehörigem Abstand ging so Rang drei an Vantastic (Victor Gentz), dessen 16,7 um eine Zehntel Sekunde nicht für einen Finalplatz reichten.

Der 2. Vorlauf hatte ebenfalls schon in der Startphase seine Knaller, denn der gesetzte Comeonhill (Roland Hülskath) begann mit einem Fehler, den er mit einem riesigen Kraftaufwand ausbügeln musste. Sein Co-Favorit Chapeau (Erik Adielsson) nutzte die Gunst der Stunde und stürmte an die Spitze, marschierte dort unbehelligt bis in den Einlauf, wurde zwar von Tamburini (Robin Bakker) hart bedrängt, rettete sich hauchdünn und in 1:15,6 über die Linie. Für Comeonhill, der noch einmal aufrückte, war nach dem zweiten Fehler im Schlussbogen Endstation aller Träume. Dort machte sich Punk (Michael Schmid) in dritter Spur auf den Weg nach vorn, vermochte sich aber nicht entscheidend durchzusetzen, während der streng an der Innenkante eingesetzte Nemo Diamant (Gerhard Biendl) Rang drei sicherte und mit 1:16,1 die Quali-Hürde gemeistert hatte.

Ein Novum in der Geschichte des Derbys gab ab dem  3. Vorlauf, als wegen des Dauerregens die Innenspur gesperrt wurde und prompt gab es im Durcheinader hinter dem Startauto einen weiteren Fehlstart. Auf der völlig aufgeweichten Bahn strebte Indigious (Erik Adielsson) an die Spitze, schaltete im letzten Bogen noch einen Gang höher und kam ungehindert nach Hause, wobei die mäßigen 1:17,3 den widrigen Umständen geschuldet waren. Hinter dem überlegenen Sieger sicherte Camiel Kievitshof (Hugo Langeweg) die günstige Lage, absolvierte sein Pensum bis zur Linie einwandfrei und war sicherer Zweiter. Der dritte Rang ging an Lindo Eden (Roland Hülskath), der sich auf den letzten 500 Metern stetig verbessert, mit seiner Zeit aber keine Endlaufchance hatte. Mister John war frühzeitig in zweiter Spur zu sehen, verlor Ende gegenüber allerdings schon an Fahrt, während der hoch gehandelte Sir Michel (Michael Schmid) Ende gegenüber aus hinterer Lage eingesetzt wurde, aber Mitte des Einlaufs, an vierter Position liegend, von den Beinen kam.

Auch der 4. Vorlauf ging nicht ohne einen Fehlstart über die Bühne. Der gültige zweite Versuch gestaltet sich zum Duell zwischen zwei Trabern, die von Beginn an ihre Ambitionen deutlich unterstrichen. Dabei sicherte sich Sir Mathijs (Conrad Lugauer) vom inneren Startplatz sofort das Kommando, während Casanover (Roland Hülskath) sich bald außen bemerkbar machte, aber in der Distanz kräftig zutreten musste, um den Sieg in 1:15,7 sicher zu stellen. Zu denen, die im Kampf um den Sieg erwartet wurden, aber nie darin verwickelt waren, gehörte der gesetzte Buddenbrock-Sieger Global challanger, denn der als mäßiger Starter bekannte Pablo As-Sohn war lange am Ende des Feldes zu sehen, rücke Ende gegenüber zwar auf, doch mehr als Rang drei war nicht drin. Dennoch reichten seine 1:16,6 zum Sprung ins Finale.

Ein atemberaubendes Finish erlebten die Zuschauer im mit 25.000 Euro dotiertem Charlie-Mills-Rennen. Von Start weg hatte Candles N Caviar (Robin Bakker) fest das Kommando und sah bis wenige Meter vor dem Ziel wie der sichere Sieger aus. Dann schwärmten die Gegner aus dem dritten Band aus, wurden auf Touren gebracht, und ganz weit außen bekam Baltimore As (Roland Hülskath) fast Flügel und erst das Zielfoto bestätigte dem Niederländer einen hauchdünnen Sieg. Für den gleichfalls riesig spurtenden Yesterday (Stefan Schoonhoven) blieb da nur Rang drei übrig. Im Rennen der Stuten (12.500 Euro) diktierte die aus dem zweiten Band gegangene Zenzi Energy in der Hand von Thorsten Tietz gleichfalls die Pace, doch wer auf die Schlussattacke der großen Favoriten gebaut hatte, musste enttäuscht werden, denn die 125:10-Außenseiterein stand ihre Fahrt mühelos durch und das mit dem Richterspruch „überlegen“.

Für Berlins Champion Thorsten Tietz hat die Derbywoche fantastisch angefangen, denn neben der tollen Vorstellung seiner Georgina Corner im Vorlauf zum Stutenderby ist er mit sechs Siegfahrten momentan erfolgreichster Sulkyathlet, während es Erik Adielsson, alle in den Vorläufen der beiden Derby, und Roland Hülskath bisher auf drei Siege brachten.

Nächster Renntag der Derby-Woche 2012 ist Donnerstag, 02.August 2012.

Bitte beachten Sie, dass der Start des 1. Rennens, aufgrund unseres Höhenfeuerwerks bereits um 17.40 erfolgt!