11. Titanen der Rennbahn in Brück: Es war gelb und laut

Wer im Osten Deutschlands nur sture und langweilige Rentner vermutet, die auf ein Kissen gelehnt aus dem Eigenheim schauen, hat sich gewaltig geirrt. Die Generation 50+ hat viele Hobbies; eines davon ist es, nach Brück zu den Titanen zu fahren, um dort für Stimmung und gute Laune zu sorgen. Aber auch jüngeres Volk ließ sich am letzten Wochenende reichlich sehen und verbrachte meist einen ganzen Tag auf dem besten Festplatz im Preußischen. Da konnte der Regen des Wochenendes, der auch im letzten Jahr schon ein ungern gesehener Gast war, nix gegen unternehmen. Alle die, die eine Karte für die überdachte Tribüne hatten, blieben sowieso bis zum Schluss – egal, ob alt oder jung.

Der älteste Mann in Brück war an diesem Wochenende wahrscheinlich eh Deutschlands Chor-Titan Gotthilf Fischer. Mit seinen stolzen 84 Lenzen brachte er am Mikro die Zuschauermassen zum Kochen und Singen. Vielleicht wäre die Karaoke-Variante besser gewesen, denn so einige hatten den Text nicht parat und Fischer musste per Mikro ein wenig nachhelfen – hat er aber mit Bravour und Charme realisiert. Trotzdem war es für alle ein schönes Gemeinschaftserlebnis – spontan und ländlich. So wie es dem Brandenburger gefällt.

Das Thema „Hoch auf dem gelben Wagen“ war sicher einen Tick zu weit weg vom größten und wichtigsten Thema Preußens in diesem Jahr. Aber wenigstens gab es von Friedrich dem Großen ein ordentliches Grußwort zu Pferde, was das Publikum dankend annahm.  Und eine Postkutschenquadrille sieht man auch nicht alle Tage – wahrscheinlich sonst nirgends auf der Welt…

Die Titanen leben von ihren hohen Show – Standards und den schon bekannten Highlights des Tages. Wahrscheinlich sind die Römerwagen-Rennen an beiden Tagen der Grund, warum so viele Menschen im Regen ausharren und darauf warten, dass die Erde bebt. Dazu haben sie allen Grund. Und in jedem Jahr aufs Neue sind die vielen Variationen von Wagen , Zugtieren und Kutschern ein Hingucker. Man möchte eigentlich seinen Platz gar nicht verlassen, um nichts zu verpassen. Aber wenn der Abend naht und der Heimweg angetreten wird, ist man sich im Freundes- und Familienkreis einig, dass man im nächsten Jahr eigentlich wieder nach Brück will. Und da ist man meist noch nicht einmal aus dem Tor raus…