100 Jahre Olympische Reiterspiele sind in London zu Ende: Nachgetreten nach der Dressur

Im Zuge einer bemerkenswerten Verlosung und einer Startreihenfolge, wie sie ungünstiger für Deutschland und günstiger für Großbritannien und Holland nicht hätte sein können, kam es nicht zu dem erhofften Wunder.

Den krönenden Abschluss bildete dann unter der immer gleichen britischen Nationalmusik „Pomp & Circumstance March No. 1“ mit dem hymnischen Teilstück „Land of Hope and Glory“ von Sir Edward William Elgar zusammen mit den Glockenschlägen von Big Ben Charlotte Dujardin, die sich mit Valegro zum Ende der Kür einen ordentlichen Patzer leistete und merkwürdigerweise trotzdem Olympiasiegerin wurde.

Die überaus versöhnlichen Worte von TV-Moderator Carsten Sostmeier, der denkt, dass er etwas gutmachen müsste, täuschen nicht darüber hinweg, dass die Gastgeber den Heimvorteil schamlos bei jeder sich bietenden Gelegenheit ausnutzten. Es fing mit den unsportlichen und deshalb gar nicht so britischen Äußerungen von Laura Bechtolsheimer an, die trotz tiefer und weitreichender familiärer und sportlicher Verbindungen nach Deutschland nicht umhin kam, als größtes olympisches Ziel den Sieg über die Deutschen erreichen zu wollen. Eine Polemik, die auf der Insel gern gesehen und in der breiten Öffentlichkeit auch noch mit Begeisterung honoriert wird. Wer ihren eiskalten Heldenblick mal sehen möchte – HIER ist er.

Es geht weiter mit dem olympischen Dorf, in dem Janne-Friederike Meyer und Meredith Michaels-Beerbaum zwangsläufig wohnen mussten, da das Londoner Verkehrschaos als eine mögliche Ausrede einen anderen Wohnort nicht zuließ. Der Lärm von der nahen Basketballarena bescherte den beiden mehrere schlaflose Nächte. Nach den ersten olympischen Erfolgen glich das Dorf sowieso eher einer Partymeile, als einem Rückzugsort für Leistungssportler.

Die Auslosung für die Startreihenfolge zum Grand Prix Freestyle ist sicher vollständig dem Zufall geschuldet. Dass ausgerechnet alle deutschen Paare zusammen vor den vier größten Konkurrenten dran sind und diese auch noch zum Schluss alle auf einmal folgen, ist eine statistische Einmaligkeit, die erst in London ans Licht kommen sollte. Wenn bei einer Auslosung herauskommt, dass der Sinn der Auslosung verloren gegangen ist, gibt es mit Sicherheit Mittel und Wege, um ein sportliches Gleichgewicht wieder herzustellen – das nennt man Fairness. Die gab es hier nicht. Aber die Freunde und Fans der olympischen Reiter brauchen sich nicht zu beschweren, wenn man sich mal anschaut, was beim Boxen los war. Unglaublich!

Am Schluss bleiben wie immer die kritikwürdigen (und höchst subjektiv wahrgenommenen) Relationen der Bewertung. Spätestens nach der letzten Kür stellt sich ja immer die Frage, ob der Abstand zwischen zwei beliebig herausgenommenen Paaren wirklich so groß war oder eben nicht. Deutlich hervorgetreten ist auf jeden Fall der Patzer zum Ende der Kür von ebenjener Charlotte Dujardin mit Valegro, die quasi als Belohnung eine noch höhere Bewertung brachte, als die offensichtlich bessere Adelinde Cornelissen mit Parzival. Es kam nach der Auslosung nämlich doch so, wie es kommen musste. Wenn vier übrig bleiben, ist einer oder eine die Dumme. In diesem Fall traf es Frau Cornelissen. Wenigstens bleibt Sjeff Jansen in Zukunft Parzival erspart und vielleicht kann ein Großteil der Pferde in Europa froh sein, dass Jansen, der sich wohl ab sofort Matthias Alexander Rath und Totilas widmet, nicht mehr für andere zur Verfügung steht. Dann beißt sich auch kein Pferd mehr auf die Zunge…

Nach einhundert Jahren olympischer Reiterei steht fest:

1.Deutschland ist noch immer eine Reitnation und hat bis zum heutigen Tage bei den Spielen in London ein Viertel aller Goldmedaillen zur Statistik beigesteuert.

2.Die Welt geht nicht unter, wenn die Springreiter keinen Erfolg haben.

3.Die Welt geht nicht unter, wenn die Dressurreiter nur Silber holen.

4.Vielseitgkeit ist eine tolle Reitsportart.

5.Der CHIO in Aachen ist jedes Jahr…

 

Es folgen die Ergebnisse Dressurreiten im

Grand Prix Freestyle Olympia London 2012:

1             226         Great Britain DUJARDIN C           VALEGRO            90.089

2             236         Netherlands CORNELISSEN A    PARZIVAL           88.196

3             224         Great Britain BECHTOLSHEIMER L  MISTRAL HOJRIS  84.339

4             229         Germany LANGEHANENBERG H              DAMON HILL     84.303

5             227         Great Britain HESTER C  UTHOPIA            82.857

6             239         Netherlands VAN GRUNSVEN A              SALINERO           82.000

7             230         Germany SCHNEIDER D                DIVA ROYAL       81.661

8             231         Germany SPREHE K        DESPERADOS    81.375

9             237         Netherlands GAL E         UNDERCOVER   80.267

10           219         Spain MUNOZ DIAZ JM FUEGO 79.321

11           248         Sweden VILHELMSON SILFVEN                DON AURIELLO 79.286

12           216         Denmark ZU SAYN - WITTGEN. DIGBY   79.089

13           205         Austria MAX-THEURER V             AUGUSTIN         79.053

14           246         Sweden KITTEL P             SCANDIC             78.732

15           233         Italy TRUPPA V EREMO DEL CASTEGNO                78.214

16           245         Portugal CARVALHO G  RUBI      77.607

17           254         United States of America PETERS S         RAVEL   77.286

18           213         Denmark KASPRZAK A  DONNPERIGNON       76.446

Foto von FEI/Kit Houghton: Die Medaillengewinner in der Dressur London 2012