10. Kutschenrallye Werneuchen 2016: Einmal tief Luft geholt

Die 10. Kutschenrallye in Werneuchen (Landkreis Barnim) ließ sich lange bitten, um an den Start zu gehen. Nach der neunten Ausgabe in 2014 sollte laut Nicole Heinrich von der Reit- und Fahrgemeinschaft Werneuchen eigentlich Schluss sein. Der Abschied fiel damals sichtlich schwer und niemand wollte es so richtig wahrhaben. Aber es kam, wie es geplant war: Im Jahre 2015 fand wirklich und wahrhaftig keine Kutschenrallye statt. In der Rommelei, wie das Areal südlich des Sportplatzes genannt wird, war es merkwürdig still geworden.

Zu still für einige Enthusiasten. Vor allem für solche, die gerne mal die Leinen in den Händen halten und Bock auf den Bock haben. Eine Petition wurde gestartet, der Reiterhof und Landwirtschaftsbetrieb Heinrich von allen Seiten genervt, die Vereinsmitglieder angestachelt. In Nah und Fern erhob man seine Stimme öffentlich oder im Netz, um der 10. Kutschenrallye eine Chance zu geben, um ihr neues Leben einzuhauchen.

Zu Beginn des Jahres sah es trotzdem noch ziemlich düster aus. Es gab keine Pläne aber anders herum auch keine große Ablehnung seitens der Veranstalter. Mit den ersten Sonnenstrahlen dieses Jahres wurde es konkreter. Helfer standen bereit und signalisierten ihre Unterstützung. Die RFG Werneuchen stand nicht mehr allein da. Ein kleiner Test war der Aufruf zum ersten gemeinsamen Arbeitseinsatz in der Rommelei, zu dem sich eine Menge Fahrer, Familienangehörige und Freunde einfanden. Es wurde gemeinsam gewerkelt, gemalert und jetzt kommt es: auch konkret geplant. Die Wiedergeburt nahm Formen an. Ein Termin wurde gefunden, geändert und neu festgesetzt, damit möglichst viele Fahrer die Chance hatten dabei zu sein. Am Ende waren es 35 Gespanne, die sich um Schleifen, Pokale und die berühmte Torte für den Letztplatzierten bewarben.

Die große Anzahl an Fuhrwerken wurde nicht nur von Pferden und Ponys angetrieben. Auch Esel und Kühe waren dabei. Wegen des großen Zuspruchs geriet dabei der Zeitplan ins Wanken und wurde nach Absprache mit allen Teilnehmern verkürzt. Sonst wäre es wahrscheinlich Mitternacht geworden, bis die Sieger festgestanden hätten, denn die Kutschenrallye gab ihren Grundgedanken einmal mehr nicht auf: Immer schön ruhig und mit viel Spaß für alle Beteiligten. Den Spaß hatten im Übrigen ebenfalls die mehreren hundert Zuschauer hinter der Absperrung. Unter ihnen sehr viele Kinder, die mit Hüpfburg, Bungee-Trampolin, Swimmingpool, Kinderschminken und Bimmelbahn für eine schmale Flatrate jede Menge Unterhaltung geboten bekamen. Für die großen reicht ja meist ein funktionierender Zapfhahn, ein leckeres Schwein am Spieß und laute Mucke. Es kamen alle auf ihre Kosten, bis die Polizei zu später Stunde dem Treiben wegen unangemessener Geselligkeit (trotz Anmeldung) ein Ende setzte.

Das tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Bereits während der Wettbewerbe hörte man es hinter der Bande von allen Seiten, dass die Freude über das Stattfinden der 10. Kutschenrallye groß war. Und wer genau hinhörte, konnte während der Siegerehrung auch mitbekommen, wie es weitergeht. Die Gewinner des Pokals für das beste Gespann der Kutschenrallye wurden von Nicole Heinrich mit den Worten verabschiedet: „Den müsst ihr im nächsten Jahr wieder mitbringen, das ist ein Wanderpokal!“ Damit, liebe RFG Werneuchen samt Unterstützer und Sponsoren, seid ihr bereits festgenagelt und wir dürfen uns auf Nummer elf in 2017 freuen. Das war nicht die schlechteste Erkenntnis des Tages.

Nun aber zum Sport, denn der stand trotz Spaß und Gelassenheit nicht hintenan. Schließlich muss man ja irgendwie die Platzierungen ermitteln, um Schleifen, Sachpreise und anderes verteilen zu können. Gewertet wurden jeweils die Ergebnisse aus Hindernis- und Geländefahren.

Beginnen wir mit den Pony-Einspännern. Diese Klasse war mit 16 Gespannen am stärksten besetzt. Ganz, ganz vorne für Gold rangierte mit 370,38 Punkten Juliane Glöck. Was dieser Sieg wert war, sollte sich erst später herausstellen. Auf Platz zwei kam Andreas „Bossi“ Boßdorf, den man getrost als Kutschenrallye-Veteranen bezeichnen kann. So lange ist er schon dabei. Die weiße Schleife holte sich Annalena Bahlke.

Den Sieg in der mit acht Kutschen bestückten Klasse der Pony-Zweispänner machte Andres „Bossi“ Boßdorf perfekt. 274,02 Punkte waren das Maß aller Dinge. Andrea Gärtner belegte Rang zwei vor Nicole Heinrich höchstselbst, die trotz Mehrfachbelastung mit Organisation und Moderation die Zeit fand, selbst anzuspannen. Das war aller Ehren wert. Im Heimspiel gab es außerdem viel Beifall vom parteiischen Werneuchener Publikum.

Die Einzelausgabe der Pferde war eine relativ klare Sache für Thomas Hakenbeck. 372,94 Punkte standen im Protokoll. Das reichte sicher für Gold. Rang zwei holte Lucie Müller aus Ladeburg; allerdings nicht mit dem Kuh-Gespann, sondern mit ihrem Pferd. 416,66 Zähler hatte sie auf dem Konto. Cindy Liebenow fuhr zur weißen Schleife.

Bleibt noch die Königsklasse der zweimotorigen Antriebsaggregate. Hier konnte sich Thomas Hakenbeck ebenfalls ganz vorne in Szene setzen. 413,56 Punkte beuteten Platz eins vor Hendrik Hähnel, der 456,47 Miese machte. Einmal mehr in Weiß: Cindy Liebenow.

Aber die Kutschenrallye wäre nicht sie selbst, wenn es nicht auch einen Gesamtsieger geben würde. Mit Tusch, Trara und viel Applaus wurde es Juliane Glöck, die bereits die Pony-Einspänner-Klasse gewonnen hatte. Zur Erinnerung: Bei der Übergabe kam die Sache mit dem Wanderpokal zur Sprache… Bleibt nur noch die Frage, ob Juliane Glöck 2017 zur Titelverteidigung antritt. Rang zwei blieb dem Doppelsieger Thomas Hakenbeck vorbehalten. „Bossi“ erreichte Rang drei. Dann kam es, wie es kommen musste: Die Torte der Kutschenrallye ist so etwas wie die Goldene Himbeere für Schauspieler. Lucie Müller kämpfte tapfer mit Pferd und Kuh und erhielt die Torte unter dem lauten Beifall der Anwesenden, der als Ansporn gedacht war. Im Schlepptau hatte sie ihren Esel (ein echter Esel wohlgemerkt), der sich in der Bahn nicht immer ganz in Kampfeslaune befand und dem Ruf seiner Rasse alle Ehre machte. Beim nächsten Mal klappt es besser, obwohl man das vielleicht gar nicht will, denn den Preis für die beste Unterhaltung hätte Lucie bestimmt auch gewonnen.

Aber es war nicht Schluss mit der Siegerehrung, denn die Wertung für das beste Kostüm stand noch aus. Die Platzierungen wurden in einem verkürzten Showfahren im Sonnenuntergang ermittelt. Zwei unabhängige Richterinnen entlasteten die sonst als offizielle Jurorin eingesetzte Hannelore Rassow. Das wunderschöne Burgfräulein Annalena Bahlke hatte sich einen echten Kreuzritter als Beschützer hinten draufgesetzt. Das war die in Werneuchen schon oft siegreiche Kerstin „DalliDalli“ Dallmann im Kettenhemd, deren Fahrschülerin Annalena ist. Und selbst das Pony war stilgerecht geschmückt. Vielleicht ist das mal ein Auftritt beim Hussitenfest in Bernau wert. Aber es gab noch mindestens zehn weitere Kostüme, die ganz vorne dabei waren. Mal wieder ganz großes Kino in Werneuchen. Rang zwei ging an die Ladeburger Stadtmusikanten, zu denen auch Lucie Müller mit ihrer Kuh Betty gehört. Sylvia Knospe hatte sich als Super Mario verkleidet und belegte nebst ihren Helfern Platz drei. Die herrlichen Schnurrbärte bleiben hoffentlich dran!

Als mit Einsetzen der Dunkelheit das große Feuer entzündet wurde, schlug die Stunde der Fahrer aus Schönfeld. Sie hatten ihre Gespanne mit Licht und Flammen beleuchtet; drehten ihre Runden durch die Nacht. Die Schönfelder waren übrigens in Sachen Unterstützung bei der Vorbereitung der Kutschenrallye ganz vorne dabei, so, wie sie es René Dahme zwei Jahre zuvor versprochen hatte. Wort gehalten!

So ist das mit dem Spirit bei der Werneuchener Kutschenrallye. Nachdem jetzt einmal tief Luft geholt wurde, geht es bestimmt mit großem Elan, neuen Sponsoren und vielen Helfern sowie Volldampf weiter. Der Landkreis Barnim kann eine Pferdesportveranstaltung solchen Ausmaßes durchaus gebrauchen. Neustart geglückt, Atempause genutzt, auf zur 11. Werneuchener Kutschenrallye im Jahre 2017!

Fotos von Jan-Pierre Habicht © - HIER geht es zur Galerie!

Ergebnisse 10. Kutschenrallye Werneuchen 2016:

Pony Einspänner
Name Vorname Hindernis Gelände Ges. Pl.
Dippy Manuela - 425,25 -
Drefke Darleen 109,25 391,69 500,94 7
Drefke Melanie 119,53 355,81 475,34 6
Bahr Dagny
Ziebart Anna 99,72 - -
Hagen Andrea 124,94 514,37 639,31 9
Reichelt Christin 105,15 354,59 459,74 4
Hartwig Franziska
Müller Lucie 124,72 684,81 809,53 10
Glöck Juliane 75,44 294,94 370,38 1
Demontis Jane 117,03 429,34 546,37 8
Boßdorf Andreas 86,37 311,4 397,77 2
Wagner Kerstin
Knospe Sylvia 117,06 349,19 466,25 5
Bahlke Annalena 107,43 317,97 425,4 3
Hentschel Roy
Pony Zweispänner
Name Vorname Zeit Zeit Ges. Pl.
Hakenbeck Isabel 104,18 335,63 439,81 5
Lucke Lucie 123,78 461,5 585,28 8
Boßdorf Andreas 91,37 282,65 374,02 1
Heinrich Sophie 160,38 379,59 539,97 7
Heinrich Nicole 121,22 273,65 394,87 3
Rüdiger Karin 106,11 322,47 428,58 4
Bahr, Dagny 99,28 396,97 496,25 6
Gärtner Andrea 83,97 301,13 385,1 2
Pferde Einspänner
Name Vorname Zeit Zeit Ges. Pl.
Hakenbeck Thomas 97,09 275,85 372,94 1
Liebenow Cindy 147,37 414,78 562,15 3
Müller (Kuh) Lucie
Müller (Pferd) Lucie 94 322,66 416,66 2
Schäfer Manuela 150,72 518,91 669,63 4
Zeiske Valentin 254,03 542,65 796,68 5
Pferde Zweispänner
Name Vorname Zeit Zeit Ges. Pl.
Hakenbeck Thomas 103,81 309,75 413,56 1
Liebenow Cindy 145,15 399,35 544,5 3
Müller Ralph 184,1 - 5
Hähnel Hendrik 112,63 343,84 456,47 2
Gärnter Monique 175,09 506,57 681,66 4
Gesamtwertung
Name Vorname Pl.
Glöck Juliane 1
Hakenbeck Thomas 2
Boßdorf Andreas 3
Müller Lucie Torte