10. Jahre Titanen der Rennbahn 2011 in Brück – eine Nachlese


10. Jahre Titanen der Rennbahn 2011 in Brück – eine Nachlese

 

von Jan-Pierre Habicht – www.pferdefreunde.co

 

Es gibt so Veranstaltungen in Deutschland, da will man immer mal hin und hat nie Zeit oder andere Ausreden. Und in jedem Jahr hört man danach viel Gutes von diesen Veranstaltungen und schwört sich, dass man im nächsten Jahr auf jeden Fall dabei sein wird. Der Hamburger Hafengeburtstag ist so ein Event oder das Oktoberfest in München. Und der kleine Ort Brück in Brandenburg liegt geografisch irgendwie zwischen Hamburg und München. Thematisch allerdings unterscheidet sich Brück gewaltig von den beiden Provinzhauptstädten. Und Kaltblutfans würden Brück dieser Tage eher als Welthauptstadt Ihrer Passion bezeichnen.

Da kann sogar etwas dran sein, denn der Hamburger Hafengeburtstag ist nicht das einzige Treffen großer Schiffe an deutschen Küsten. Und das Eingießen von Bier aus Maßkrügen in die Rübe kann man auch an vielen anderen Orten durchziehen – meist sogar preiswerter als in der bayrischen Landesmetropole. Brandenburgs Brück ist dagegen wirklich einzigartig und bietet dem Besucher für den Bruchteil der oben genannten Veranstaltungskosten ein Vielfaches an Höhepunkten und Vorstellungen. Und während man für eine Nahaufnahme der Queen Mary II schon mal an hunderttausend Menschen vorbei muss, wird man in Brück eher dazu aufgefordert, von der Bahn zurück zu treten, um nicht zu dicht an den Pferden und Wagen zu sein. Ja, in Brück kann man seine Leidenschaft genießen und sich vier Tage fast ununterbrochen mit „Kalten“ beschäftigen.

Schon am Donnerstag ging es mit dem 7. Überregionalen Kaltblutfohlen  - Championat los. Am Freitag wurden im großen Festzelt die Teams vorgestellt und auf dem Parcoursgelände schon fleißig geübt. Traditionell ist im mittlerweile 10. Jahr der Titanen der Rennbahn dann Samstag und Sonntag die Hölle los. Einlass ist an beiden Tagen ab acht. Die Eintrittspreise liegen mit 10 Euro für den billigsten Stehplatz bis zu 25 Euro für den überdachten Tribünenplatz sehr niedrig. Man darf dabei nicht vergessen, dass man für 25 Euro etwa 12 Stunden Unterhaltung hat – und zwar am laufenden Band. Das sind in der besten Sitzplatzkategorie zwei Euro pro Stunde Unterhaltung. Vergleichen Sie das mal mit einem Stones – Konzert.

Und in Brück dürfen Sie auch ruhig mit dem Auto erscheinen. Große Parkplätze mit dem freundlichen Parkplatzleitsystem der Freiwilligen Feuerwehr sind ausreichend vorhanden; ein Shuttleservice mit Omnibussen und Pferdetaxen für 1 Euro hin und zurück ist eingerichtet. Wer  gut zu Fuß ist, kann die fünfzehn Minuten auch laufen.

Die Füße werden mit Sicherheit noch gebraucht. Erstens gibt es viele Stände neben der Kampfbahn zu besichtigen und zweitens muss man bei großem Besucherandrang für die Bratwurst schon mal ein Viertelstündchen in der Schlange stehen.  Leider hört man dann über die Lautsprecher, was man in der Zwischenzeit so alles verpasst, denn Höhepunkte bietet das Titanenspektakel reichlich.

Neben den vielen Wettbewerben für Zwei-, Vier- und Sechsspänner, die publikumsfreundlich parallel ausgetragen werden (gleichzeitig zwei Teams in der Bahn) sind es vor allem die Schaubilder und  Sonderwettbewerbe, die viel Aufmerksamkeit erregen. Wenn kräftige und breite Rösser mit dem entsprechenden Körperbau sattellos mit ihren Reitern durch das Rondell sprinten, nickt man schon anerkennend. Mehr Freude entwickelt sich beim Anblick eines Ziegen – Vierspänners, eines Kuh – Achtspänners oder gar eines Shetty – Zehnspänners. Durch die Kampfbahn flogen im Römischen Wagenrennen Quadrigen mit den vorgeschriebenen vier Pferden – später waren es zweimal vier Pferde und dann dreimal vier Pferde, die Cäsar, Asterix, Obelix und Co. über den Platz trugen. Und zwölf Pferde in vollem Galopp lassen auch in Brück den märkischen Boden beben. Das Publikum jedenfalls war begeistert und applaudierte fast ununterbrochen. Der letzte Höhepunkt des Samstags war dann der Festumzug durch Brück, bei dem einige Tausend Schaulustige am Straßenrand standen.

Der Brücker Sonntag bot auf dem Titanengelände wieder viele Fahr – und Reiterwettbewerbe. Der amtliche Höhepunkt des Wochenendes war zum zehnten Jubiläum mit Sicherheit die Quadrille mit zehn Zehnspännern. Der Stadionsprecher hätte nicht um Ruhe bitten müssen, denn fast allen Zuschauern stockte sowieso der Atem. Eine einzigartige Choreografie dirigierte die Gespanne über den Platz, auf dem alle Pferde und Kutschen mal gerade so Platz hatten. Gekrönt wurde dieses Highlight optisch durch das Hinausmanövrieren der Gespanne in den Außenkreis. Dort fuhren dann fünf mit und fünf gegen den Uhrzeigersinn aneinander vorbei. Ein großartiger Anblick und eine Werbung für den Kaltblutsport. Spätestens nach dieser Vorstellung wollte jeder Zuschauer das Kaltblutfohlen bei der Tombola gewinnen und selbst fahren.

Wenn am Sonntag dann das Spektakel mit einem Feuerwerk zu Ende geht, schwört man sich als Zuschauer, dass man im nächsten Jahr wieder kommt. Denn einzigartige Veranstaltungen sind selten geworden in dieser beliebigen Welt. Brück bleibt eine beeindruckende Ausnahme.