1. Hubertusjagd zu Breydin 2017: Der neue Master ist eine Frau!

Jagdhornbläsergruppe Federspiel

Andreas Ullrich

Sophie Barfuß, Collien

Am Tag der Deutschen Einheit kann man Fähnchen schwenkend durch die Hauptstadt flanieren oder sich in den Sattel schwingen und die märkische Heide unsicher machen. Mehr als ein Dutzend Reiter folgten dem Ruf der Wildnis und nutzten den freien Tag für ein kleines Abenteuer.

Der Geschäftsführer der Oskar Fritz GmbH und leidenschaftliche Springreiter Andreas Ullrich aus Tuchen-Klobbicke hatte bereits im Frühsommer dieses Jahres angekündigt, dass er im Herbst eine zünftige Hubertusjagd auf die Beine stellen will. Und so geschah es dann auch. Bereits Monate vorher begann die Planung. Das Gelände in Form des ehemaligen sowjetischen Truppenübungsplatzes nordwestlich von Trampe wurde schnell gefunden und die Agrargenossenschaft Trampe als heutiger Besitzer stellte sich als ausgesprochen kooperativer Partner dar. Das historisch jahrzehntelang völlig anders genutzte Areal musste über zwölf Jahre von Munition und Munitionsresten, Sondermüll und anderen gefährlichen Substanzen gereinigt werden, bis man endlich die Flächen für die Landwirtschaft nutzen konnte. Aber nicht nur Rinder fanden hier ein neues Zuhause, sondern auch viele Wildtiere und Wildpflanzen.

In einer solch schönen Landschaft lässt es sich doch besonders gut reiten, dachte sich nun Andreas Ullrich und besann sich auf die gute Tradition der Hubertusjagd, plante und werkelte herum. Heraus kam eine wilde Hatz auf gutem Boden für Pferd und Reiter, auf großen und übersichtlichen Freiflächen, die auch den Anfängern entgegen kamen. Hinzu kamen jede Menge neu gebaute, kleine, aber leicht überwindbare Hindernisse für jeden - mal abgesehen von ein paar ganz schlauen Ponys…

Um zehn ging es los am Tage der Deutschen. Auf der Wiese am Eingang des Geländes lag der Treffpunkt für die Teilnehmer. Die wurden von Andreas Ullrich und seiner Gemahlin Ines begrüßt. Es gab nicht nur einen Bügelschluck für die Großen, sondern auch was auf die Ohren. Wie es sich nach alter Väter Sitte gehört, spielte die Jagdhornbläsergruppe Federspiel aus Tuchen-Klobbicke, um sich und die Teilnehmer auf das Ereignis einzustimmen. Der Begrüßung durch den Initiator und ersten Master der Jagd folgten die obligatorischen Sicherheitshinweise. So gehört sich das, wenn man es richtig macht. Anwesend war für das Wohl aller zudem die Freiwillige Feuerwehr Breydin.

Dann ging es los. Der erste Streckenabschnitt war sechs Kilometer lang und führte durch Wald und Feld. Geritten wurde auf teils festen Wegen, oftmals auch über Wiesen oder grüne Feldwege. Zwischendurch musste immer mal wieder zum Sprung angesetzt werden. Dabei stoppte das gesamte Feld auf. Es gab auf dieser Jagd nur ein Springerfeld und alle Reiter wollten über die machbaren Hindernisse. Es musste somit nicht aufgeteilt werden in Springer und Nicht-Springer. Wie gesagt, nur ein paar Ponys hatten manchmal so ihren eigenen Kopf, wie das bei denen nun mal so ist. Der Master bremste vor jedem Hindernis und auch danach, um alle einzusammeln. Das gelang ganz ausgezeichnet, denn alle zeigten neben dem ganzen Spaß trotzdem ein hohes Maß an Disziplin. Schließlich muss man eine Runde Schnaps ausgeben, wenn man den Master überholt.

Zur Belohnung gab es am Pausenplatz Soljanka und Brause; für die großen Treibstoff aus der Brauerei. Nach einer Stunde Pause ging es in den zweiten Teilabschnitt über drei Kilometer, der mit einer etwa zweihundert Meter langen Galoppstrecke endete. Auf der hielt sich Master Ullrich gekonnt zurück und überließ den Gästen das Feld. Das ausgelassene Rennen machte am Ende Sophie Barfuß. Sie ist fünfzehn Jahre alt und Schülerin. Sophies dreizehnjährige Stute Collien (v. Contender) hatte sie auf ihrer ersten Jagd begleitet und nun ist Fräulein Barfuß der neue Master! Herzlichen Glückwunsch! Sophie versicherte, dass sie ihrer Aufgabe im nächsten Jahr natürlich gerne nachkommt und dann die Verantwortung für das gesamte Geld tragen wird. Aber wer ansonsten im Turniersport erfolgreich bis L unterwegs ist, wird auch diese Aufgabe meistern.

Nachdem alles verladen war, traf man sich am Nachmittag auf dem Ullrich-Hof zum Jagdgericht. Dieses wurde vom ehrenwerten Herren Frank Löprick aus Tuchen durchgeführt. Mit vollem Ernst widmete er sich seiner Aufgabe und kritisierte an jedem Reiter herum. Der eine hatte doch gar mit der falschen Hand das Schnapsglas erhoben! Auch schlecht geputzte Stiefel oder unsauberes Sattelzeug wurden angeprangert. Um der größten Peinlichkeit zu entgehen, konnte man sich freikaufen oder ein Lied singen.

Den späten Nachmittag beschloss die Reiterschaft mit einer Party auf dem Hof. Gegrillt wurde durch vier fachkundige Hände der Polzcynski-Zwillinge, die aus der Nachbarschaft herüber kamen. Es wurde bis in die späten Abendstunden hinein gequasselt und schon ein wenig für das nächste Jahr geplant. Dann geht es auf zur 2. Hubertusjagd in Breydin.

Fotos von Jan-Pierre Habicht ©