Pferdezuchtverein Oderbruch: Mitgliederversammlung mit Vorstandswahlen

Mario Schirrmann

Herbert Lichtenberg erhält die Ehrung aus den Händen des Vorsitzenden Mario Schirrmann

Der Leiter der Holsteiner Hengststation in Elmshorn Gérard Muffels

Landstallmeister Uwe Müller

Horst von Langermann

Der neue Vorstand mit Matthias Steinberg, Falk Zickerick, Stefanie Otto, Mario Schirrmann, Andreas Sorge (v.l.)

Am 04. März wurde es in Bliesdorf vor dem Landgasthof „Am Anger“ wie in jedem Jahr voll. Parkplätze waren rar und die letzten, eintreffenden Teilnehmer der Mitgliederversammlung des Pferdezuchtvereins Oderbruch mussten bereits etwas weiter laufen. Wieder waren es mehr als siebzig Personen, die der Einladung des Vorstandes folgten. Ob das jährliche Treffen im Jahre 2017 noch am gleichen Ort stattfinden kann, steht in den Sternen. Der Gasthof soll verkauft oder gar geschlossen werden. Das wäre schade, ist er doch in den letzten Jahren zu einem verlässlichen Partner für den Zuchtverein geworden.

Mit großer Trauer konnten sich die Organisatoren nicht aufhalten. Die Tagesordnung war nichts für Bummelanten. Es musste rangeklotzt werden. Die Wahlen standen an. Der Vorstandsvorsitzende Mario Schirrmann begrüßte dann auch relativ schnell die Mitglieder sowie die Ehrengäste Horst von Langermann nebst Gemahlin, Landstallmeister Uwe Müller aus Neustadt (Dosse) sowie Gérard Muffels von der Holsteiner Hengsthaltungs GmbH in Elmshorn.

Mario Schirrmann eröffnete den Abend mit dem ersten Highlight: Geehrt wurden die erfolgreichsten Züchter des vergangenen Jahres. Der Vorsitzende konnte voller Stolz verkünden, dass man nicht mehr lange suchen muss, um ein erfolgreiches Pferd aus den Reihen des Pferdezuchtvereins Oderbruch zu finden. Den größten Triumph durfte sicher Herbert Lichtenberg feiern. Seine 3-jährige Stute Cascada (v. Casskeni II aus einer Mutter von Azarro–Kurant) siegte bei den springbetonten Stuten auf der DSP Staatsprämienschau in Prussendorf im vergangenen Jahr. Das erfolgreichste Pferd eines aktiven Vereinsmitgliedes ist Pepe des Züchters Hilmar Matzkow. Er führt auch die Top Ten des Vereins nach Gewinnsummen an. Auf den Plätzen folgen Zuchtgemeinschaft Schirrmann, Gerd Hammink, Andreas Groth, Udo Verworner, Rolf-Peter Bär, Arno Ballermann, Rainer Kniest, Johanna Mohrstedt sowie Andreas Sorge.

Nach den Ehrungen gab es einen Rückblick. Mario Schirrmann sieht die Pferdezucht am Ende ihrer Absatzkrise. Er konnte voller Stolz verkünden, dass sich die rückläufigen Bedeckungszahlen im Bundestrend nicht im Bereich des Pferdezuchtvereins Oderbruch bestätigen ließen. Sie sind weiterhin auf gleichbleibendem Niveau. Preise und Verkaufszahlen sind in der Region trotz aller Schwarzmalerei im Aufwärtstrend. Dauerthema bleibt die Vermarktung der Pferde; besonders aus medialer Sicht. Schirrmann wiederholte die Forderung nach mehr Eigeninitiative der Mitglieder, die allzu oft Chancen ungenutzt lassen. Auch das Thema Fohlenvermarktung wurde angesprochen. Erfolg verspricht hier nur die Nutzung der internationalen Genetik, wie der 46-jährige ausdrücklich betonte. Leider sei die Vermarktung der Fohlen in der Region auch im letzten Jahr nicht weiter in Gang gekommen. Zudem wünschte er sich mehr Unterstützung seitens des Pferdezuchtverbandes Brandenburg-Anhalt. Als äußerst positives Beispiel für Anstrengungen im Marketingbereich nannte Mario Schirrmann die Teilnahme zweier Vereinsmitglieder am Freispringen in Leipzig im Rahmen der Partner Pferd. Die Pferde von Gabor Hanke und Udo Verworner sind nun auf dem Weg in den internationalen Sport. Hier wurden zwei Chancen erfolgreich genutzt, stellte der Vereinsvorsitzende fest.

Zahlen nannte Schirrmann ebenfalls: Nach fünf neuen Zugängen sind aktuell 111 Mitglieder im Verein registriert. Davon sind 61 im Zuchtverband aktiv. Die aktuellste Zahl kam vom Freispringen in Münchehofe Ende Februar. Voraussichtlich werden vier Pferde des Vereins am Freispringchampionat teilnehmen können. Das kann sich sehen lassen.

Am Ende seiner Ausführungen wünschte sich Mario Schirrmann mehr Unterstützung seitens der Mitglieder. Das beträfe vor allem die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen. Nach einem doch recht positiven Fazit des Jahres 2015 kündigte Mario Schirrmann nach zehn Jahren Arbeit in Sachen Pferdezucht seinen Rückzug aus dem Vorstand des Pferdezuchtvereins Oderbruch an. Das traf im Saal nicht gerade auf Zustimmung, wie man unschwer vernehmen konnte.

Die sich anschließende Wahl gemäß Tagesordnung gestaltete sich nun etwas schwieriger. Die meisten der Anwesenden hatten mit einem solchen Schritt seitens des Vorsitzenden nicht gerechnet und waren sichtlich ratlos. Erst nach dem lautstarken Intervenieren durch einige Züchter und der Zusage einiger Mitglieder, sich aktiv an der Gestaltung des Pferdezuchtvereins zu beteiligen, ließ sich Mario Schirrmann überreden, erneut zu kandidieren. Nach Wahl und konstituierender Sitzung stand der neue Vorstand fest: Mario Schirrmann - Vorsitzender, Andreas Sorge - Stellvertreter, Stefanie Otto - Kassenwart, Falk Zickerick und Matthias Steinberg als Vorstandsmitglieder. Trotzdem sah die Diskussion zur Wahl nicht nach Stillstand und Business as usual aus. Veränderungen scheinen für eine Weiterentwicklung des Vereins unausweichlich und man darf schon heute auf die nächste Versammlung Anfang 2017 gespannt sein.

Nach der Aufzählung der wichtigsten Termine für 2016 (Freispringchampionat und Pferdeverkaufstag in Münchehofe am 01.05; Vorstellung der Pferde und Fohlen in Wustrow beim Pfingstturnier am 15.05.; Fohlenschau und Stutbucheintragung am 08.07.: Fohlenchampionat am 16.07. sowie Staatsprämienschau in Prussendorf am 30.07.) ging es mit dem informativen Teil weiter. Gérard Muffels hatte sich als Leiter des Hengststalls in Elmshorn auf einen höchst interessanten Vortrag zu der Geschichte des Holsteiner Verbandes und seiner Hengste vorbereitet. Zu den unzähligen Namen, Abstammungen und Blutlinien hatte der gebürtige Holländer noch jede Menge Videos der aktuellen Hengste der diesjährigen Decksaison dabei. „Ich habe nicht genug Stuten!“, entfuhr es einem jungen Herren beim Anblick der Vererber, die zum Teil selbst vorübergehend im DSP-Zuchtgebiet stehen.

Der nächste Redner war Landstallmeister Uwe Müller. Er lobte die Zusammenarbeit zwischen dem Verein und dem Gestüt. Ein Wermutstropfen waren die aus seiner Sicht etwas enttäuschenden Bedeckungszahlen hinsichtlich des Hengstes Caleo (18). Nach über 30 Bedeckungen durch Calidrio hatte man sich in Neustadt wohl mehr erhofft. Müller gab der Hoffnung Ausdruck, dass der jetzt in Altranft stehende 13-jährige Hengst Quirado (Quidam de Revel/Corrado I) wieder mehr Zuspruch findet. Davon abgesehen schätzte Uwe Müller das Deckjahr 2015 als relativ gut ein. Immerhin fand ein Bellini-Sohn aus den Reihen der Oderbruch-Züchter den Weg ins Haupt- und Landgestüt.

Letztes Schwergewicht unter den Rednern war zu fortgeschrittener Stunde Horst von Langermann als Geschäftsführer des Pferdezuchtverbandes Brandenburg-Anhalt. Er sprach über die Förderung der Teilnahme an der Stutenleistungsprüfung durch den Verband und über die Notwendigkeit der Teilnahme an Vermarktungsaktionen; auch, wenn sie manchmal etwas weiter weg sind - zum Beispiel in Leipzig… Infos gab es weiterhin zum Pferdeverkaufstag, der Pferdesteuer und zur Zukunft der Lindenau-Halle. Diese Entscheidung soll Anfang Mai fallen. 2017 gibt es dann auch wieder ein Ulonska-CSI.

Die Mitgliederversammlung des Pferdezuchtvereins Oderbruch endete kurz vor Mitternacht. Müde war allerdings niemand. Zu interessant waren die Vorträge und diskutierten Themen. Der Verein lebt und ist vital. In einem Jahr wird erneut abgerechnet.

Fotos von Jan-Pierre Habicht ©